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herbe Kritik, die wir in der Allgemeinen Bergwerkszeitung*)
über die Ausbeutung der englischen Kohlengruben finden,
auch auf andere Länder anwenden : „Während die Kohlen
bassins Englands so reich sind, dass sie die jetzige Steige
rung der Ausbeute bis zu 1200 Meter Tiefe noch aüjf 3 Jahr
hunderte sichern würden, „rahmen“ die Bergwerksbesitzer
diesen Reichtum in einer solchen Weise ab, dass man in
50 Jahren nur noch mit einer wesentlich verteuerten Aus
beutung und infolgedessen auch mit wesentlich höheren
Kohlenpreisen rechnen kann.“
Als die transvaalische Regierung im Anfang des süd-
africanischen Krieges die Goldminen des Randes im Besitz
nahm, um sie zum eigenen Vorteil auszubeuten, machten
ihre Ingenieure ganz ähnliche Erfahrungen : „An vielen
Orten,“ so schrieb der mit der Direction der Rose deep
Mine beauftragte Ingenieur Kubale, „hatte ich den Ein
druck, dass die Minen von den früheren Directoren nur
abgegrast waren, d. h., dass man nur das stark goldhaltige
Mineral herausgeschafft hatte, ohne auf eine vernünftige
Ausbeutung der Minen Bedacht zu nehmen und dem Be
triebe einen ordentlichen Plan zu Grunde zu legen.“**)
Die nämliche Unbekümmertheit um die Zukunft sehen
wir mit noch grösserer Brutalität und mit viel grösserer
unmittelbarer Gefahr in dem Raubbau, den die meisten
Waldbesitzer mit ihren Gehölzen betreiben. „Früher oder
später,“ so lesen wir in dem Blatte der Centralforst
gesellschaft von Belgien, „laufen die Privatwälder Gefahr,
verwüstet zu werden oder doch nicht mehr die Rolle zu
spielen, die ihnen im allgemeinen Interesse zufällt. Der
Besitzer kümmert sich nicht um die Wirkungen, die die
Abholzung für das Klima, für die Wasserverhältnisse und
für die locale Industrie haben kann, er hat nur das eigene
Interesse im Auge.“***)
*) Revue Universelle des Mines (Januar 1900).
**) Economiste français vom 10. März 1900, pag. 305.
***) La diminution du domaine boisé. (Bulletin de la Société
forestière, Juli 1896, pag. 507.)