Full text: Nationale Bodenreform

eines gesellschaftlichen Reichtums wird es dem einzelnen (der nicht 
wie der Privatpächter und der Hypothekenschuldner in Abhängigkeit 
von den Privaten steht, sondern von der Gesellschaft, nicht für die 
Privaten, sondern für die Gessellschaft arbeitet, deren Glied er selber 
ist), möglich, selbständig Eigentum zu erwerben – Eigentum an den 
Bedürfnissen und an den Annehmlichkeiten des Lebens. 
Die Befürchtung, daß die Ausnutzung des Landes unter dem 
Pachtsystem leidet, widerlegt der Befund in Deutschland selbst, wo 
der Boden zu einem großen Teil von Leuten, die ihn dem Staate, 
den Kommunen, oder Privateigentümern abgepachtet haben, mit 
dem besten Erfolge bewirtschaftet wird, stellenweise sogar besser, als 
es von manchem tief verschuldeten Grundeigentümer geschehen 
kann. ~ 
Wir verkennen nicht im mindesten, daß zum Gedeihen der Ko- 
lonien außer den wirtschaftlichen noch andere Faktoren: Faktoren 
sittlicher Natur erforderlich sind. Aber gerade diese wird unseres 
Erachtens die Festhaltung des Bodens als Nationaleigentum unter- 
stützen. 
Denn wie unser Vorsschlag aus der sittlichen Wahrheit geboren 
ist ~ aus der Gerechtigkeit, welche der Gesellschaft gibt, was der Ge- 
sellschaft ursprünglich gehört und was die Gesellschaft an Wert dem 
Boden hinzufügt, und den Privaten gibt, was durch ihre individuelle 
Anstrengung geschaffen haben in Gestalt einer Frucht des Landes 
oder eines Viehstandes oder als Manufakturprodukte und Fabrikat, 
so daß auf Grund eines Gemeinbesitzes die Individualität sich kräftig 
entfalten kann, – so sehen wir die Festhaltung des Bodens auch 
eine versittlichende Rückwirkung ausüben auf die Weißen, selbst die 
Beamten. Denn der an sich schon gefährliche Stolz der Zivilisierten, 
der sich dem „Wilden“ gegenüber von anderem Stoffe dünkt, wird 
durch die wirtschaftliche Organisation genährt, wenn diese sie und 
ihre Volksgenossen zu Herren des Landes macht und die Eingebo- 
renen zu rechtlosen Subjekten, denen man ihr Land nimmt; während 
die Festhaltung des Nationaleigentums diesem übermut stark ent- 
gegen arbeiten würde. Der Verkauf des Grund und Bodens sät 
von vornherein Zwietracht und Haß zwischen die Einheimischen und 
die Einwanderer und stößt die Naturvölker zurück. Wie ganz an- 
ders könnten oft die Verhältnisse sein, wenn das gemeinsame Na- 
tionaleigentum Rücksichtnahme und Verständnis zwischen den Rassen 
anbahnte. 
Diese, unseres Erachtens einzig gerechte Weise der Kolonisierung 
Uv; Is auch die beste Vorarbeit liefern für die Kultivierung jener 
aturvölker. 
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