Object : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Anilinblau

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Anilinschwarz

deren  Verfahren  gewonnene  Rohanilin  (Anilinöl), ­
  welches  noch  geringe  Beimengungen  von
Ortho-  und  Paratoluidin  enthält,  ist  eine  rötlichbraune ­
  ölige  Flüssigkeit  von  unangenehmem
Geruch,  welche  sich  mit  Wasser  nicht  mischt,
wohl  aber  etwas  Wasser  aufnimmt  und  zum  geringen ­
  Teile  in  Wasser  übergeht.  In  verdünnter
Salzsäure  muß  sich  Rohanilin,  wenn  es  nicht
mehr  als  Vs  °/°  Verunreinigungen  enthält,  klar
auflösen.  Der  Wassergehalt  soll  i 1 / 3 °/o  nicht
übersteigen.  Nach  dem  Gehalte  an  homologen
Toluidinen,  der  für  die  Herstellung  gewisser
Farben  erwünscht,  ja  notwendig  ist,  unterscheidet ­
  man  im  Handel  verschiedene  Typen  von
Rohanilin:  i.  Anilinöl  für  Rot  vomspez.Gew.
1,024—1,026  mit  10—20  0/0  A.,  25—40  0/0  Paratoluidin
  und  30—400/0  Orthotoluidin.  2.  Anilinöl ­
  für  Safranin,  als  Abfallprodukt  der
Fuchsinfabriken  auch  Echappe  genannt,  hat
das  spez.  Gew.  1,032—1,034  und  enthält  neben
35—500/0  A,,  50—65  0/0  Toluidin.  3.  Anilinöl  für
Blau  ist  möglichst  frei  von  Toluidin.  —  Das
reine  A.  des  Handels,  dessen  Toluidingehalt
nicht  über  1  0/0  beträgt,  ist,  frisch  bereitet,  eine
wasserhellc,  stark  lichtbrechende  Flüssigkeit,
welche  sich  beim  Stehen  an  der  Luft'nach  und
nach  rotbraun  färbt.  Spez.  Gew.  1,0265  bei  15  °,
Siedepunkt  187°.  Es  mischt  sich  mit  Alkohol,
Äther,  Benzol  und  vermag  Schwefel,  Phosphor,
Kampfer,  Fette  und  Farbstoffe  aufzulösen.  Zum
Nachweise  dient  die  mit  Chlorkalk  eintretende
Purpurviolettfärbung  der  wäßrigen  Lösung,  ferner ­
  die  Reaktion  mit  konz.  Schwefelsäure  und
wenig  Kaliumbichromat,  wobei  eipe  blaue,  bald
verschwindende  Färbung  gintritt,  und  schließlich ­
  die  durch  eine  schwefelsaure  Lösung  des
A.  hervorgerufene  intensive  Gelbfärbung  von
Fichtenholz  und  Holundermark.  Von  Salzen
des  A.  kommen  besonders  das  schwefelsaure
und  salzsaure  als  farblose,  kristallisierbare,
wasserlösliche  Verbindungen  im  Handel  ,  vor.
Das  A.  dient  zur  Herstellung  von  Methylanilin,
Diphenylamin,  Fuchsinblau,  Anilinschwarz,  Azet--anilid
  usw.  usw.  Die  Einfuhr  an  Anilinöl  und
Anilinsalzen  in  Deutschland  belief  sich  im  Jahre
19 1 1  nur  auf  20  t,  die  Ausfuhr  auf  mehr  als
7Soot  im  Werte  von  mehr  als  6,5  Millionen  M.
Anilinblau.  Unter  diesem  Namen  sowie  als
gewöhnliches  A.,  Fuchsinblau,  Diphenylaminblau, ­
  Baseblau  (Bleu  de  Lyon,  Bleu
de  Paris,  Feinblau,  Grünstichblau,  Öpalblau,
  Parmablau,  Alkoholblau,  Gentianablau,
  Spiritusblau,  Lichtblau,  Bleu  lu-®ibre,
  Rosanilinblau)  gelangten  früher  blaue
Farbstoffe  in  den  Handel,  welche  durch  Erhitzen
v on  Rosanilino*  mit  Anilin  und  etwas  Benzoesäure ­
  oder  von  Diphenylamin  mit  Oxalsäure  dargestellt ­
  werden  und  in  chemischer  Hinsicht  als
die  salzsauren  Salze  phenylierter  Rosaniline
(nieist  Triphenylrosanilin)  anzusprechen  sind,
■"de  stellen  grünlich  glänzende  Kristallnadeln
nder  dunkelrotbraune  Pulver  dar,  welche  in
(Wasser  unlöslich,  in  Alkohol  hingegen  mit  schön
blauer  Farbe  löslich  sind  und  in  verschiedenen
v  arbtönen,  rot-  und  grünstichig,  geliefert  werden.
Die  ersteren  werden  als  Anilinblau  R,  RR  usw.,
die  letzteren  als  Anilinblau  B,  BB  usw.  bezeichne
 F  Dieses  spritlösliche  A.  ist  ein  ziemlich
Achter,  substantiver  Farbstoff  für  Wolle  und

Seide.  —  N  euerdings  bevorzugt  man  das  w  asserlösliche
  A.,  welches  aus  den  Natriumsalzea
gepaarter  Sulfonsäuren  des  Triphenylrosanilins
besteht  und  aus  dem  spritlöslichen  A.  durch
Behandlung  mit  konzentrierter  Schwefelsäure,
Fällung  mit  Wasser  und  Auflösen  in  Natronlauge ­
  gewonnen  wird.  Je  nach  der  angewandten
Temperatur  und  der  Dauer  der  Einwirkung
können  hierbei  I,  2  oder  3  Moleküle  Schwefelsäure ­
  gebunden  werden.  Das  früher  allein  gebrauchte ­
  wasserlösliche  Anilinblau  enthält
3  Moleküle  Schwefelsäure  und  ist  demnach  das
triphenylrosanilintrisulfosaure  Natrium
Das  2  Moleküle  Schwefelsäure  enthaltende  A.  wird
als  Wasserblau  O  und  6B,  Baumwollblau,
Seideblau,  Bayrisch  blau  DSF  und  DBF
oder  Bleu  marine.  Bleu  soluble  bezeichnet
und  bildet  dunkelblaue,  kupferglänzende  Stücke,
welche  sich  in  Wasser  lösen.  Die  Lösung  dient
nach  dem  Ansäuern,  wobei  kein  Niederschlag
entsteht,  zum  substantiven  Färben  von  Wolle
und  Seide.  Auch  kann  der  Farbstoff  zum  adjektiven ­
  Färben  von  Baumwolle  benutzt  werden. ­
  —  Das  triphenylrosanilinmonosulfosaure
  Natrium  mit  I  Molekül  Schwefelsäure
wird,  wenn  es  aus  Rosanilin  hergestellt  wurde,
als  Alkaliblau  oder  Nichols.ons  Blau,  wenn
es  aus  Diphenylamin  bereitet  wurde,  als  Alkaliblau ­
  D  bezeichnet.  Beide  sind  blaue,  wasserlösliche ­
  Pulver,  mit  denen  man  Wolle  und  Seide
zunächst  im  schwach  alkalischen  Bade  färbt,
um  darauf  die  freie  Sulfosäure  in  schwach
saurem  Bade  auf  der  Faser  abzuscheiden.
Anilinfarben  (frz.  Couleurs  d’aniline,  engl-  Amline
  dyes)  nannte  man  ursprünglich  nur  diejenigen ­
  künstlichen  Farbstoffe,  welche  sich  vom
Anilin  ablciteten,  während  zurzeit  im  gewöhnlichen ­
  Leben  sowie  im  Handel  und  Verkehr  alle
künstlich  hergestellten  organischen  Farbstoffe
mit  dieser  Bezeichnung  belegt  werden.  Näheres
s.  unter  Teerfarben.
An  lingelb.  Diesen  Namen  führen  verschiedene
Teerfarbstoffe.  Das  eigentliche  A.  besteht  entweder ­
  aus  salzsaurem  oder  aus  oxalsaurem
Amidoazobenzol  und  wird  durch  Einwirkung
von  Diamidoazobenzo!  oder  Diazobenzolchlorid
auf  salzsaures  Anilin  dargestellt.  Der  Farbstoff
ist  in  kaltem  Wasser  schwer,  in  heißem  ziemlich
leicht  mit  goldgelber  Farbe  löslich  und  wird
durch  Salzsäure  rot.
Anilingrau.  Unter  diesem  Namen  finden  sich
im  Handel  verschiedene  graue  Farbstoffe,  die
gewöhnlich  nur  als  Nebenprodukte  bei  der  Herstellung ­
  andrer  Anilinfarben,  z.  B.  des  Emeraldins,
  des  Mauveins  u.  a.,  gewonnen  werden.
Aniiinsalz  (frz.  Sei  d’anil.ne,  engl.  Aniline  salt).
Im  Chemikaliengroßhandel  versteht  man  unter
A.  teils  schwefelsaures,  teils  salzsaures
Anilin  (s.  d.),  welche  sowohl  in  Kristall-  als
auch  in  Kuchenform  in  den  Verkehr  gelangen.
Anilinschwarz,  einer  der  echtesten  und  wichtigsten ­
  Farbstoffe  der  Baumwollfarben,  entsteht
bei  der  Oxydation  von  Anilin  mit  chlorsaurem
Kalium  und  etwas  vanadinsaurem  Ammonium
und  wird  auf  der  Faser  selbst  erzeugt,  indem
man  das  Garn  oder  Gewebe  mit  einer  Lösung
des  Anilinsalzes  und  der  Oxydationsmittel  tränkt
Statt  des  Vanadinsalzes  kann  auch  Kaliumbichromat ­
  oder  -persulfat,  und  statt  des  chlor ­
            
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