Full text: Wissenschaftliches Arbeiten

Gegenstand „53 
„Noctes Atticae“ das‘ Vorgehen mancher Vielschreiber, die 
nur auf den großen Haufen und nicht auf den inneren 
Wert ihrer Aufzeichnungen schauen und urteilslos allen 
möglichen Kehricht zusammenbringen: „Namque . illi 
omnes, et eorum maxime Graeci, mülta et varia lectitantes, 
in quas res cunque inciderant, alba ut dieitur linea sine 
cura discriminis solam copiam sectati converrebant“’). Als 
Beispiel eines solchen Kritiklosen Sammeleifers führt er 
später einen Mann aus seinem Bekanntenkreise an, der 
eines Tages ihm mit einem riesigen Bande seiner Kollek- 
taneen eine Freude habe machen wollen. „Accipio cupidus 
et libens, tamquam si copiae cornu nactus essem: et re- 
condo me penitus, ut sine arbitris legam. At quae ibi 
scripta erant, pro Jupiter! mera miracula: quo nomine 
fuerit, qui primus grammaticus appellatus est, et quot 
fuerint Pythagorae nobiles, quot Hippocratae“ etc. Als er 
von diesem Inhalt des Bandes Kenntnis genommen, habe 
er ihn schleunigst dem gütigen Geber zurückgestellt?). 
Als erste Regel für die Wahl des Gegenstandes der 
Stoffsammlungen wird man mit diesem alten römischen 
Gewährsmann festhalten können, daß dieselbe mit weiser 
Mäßigung und umsichtigem Urteil zu geschehen 
hat. Man unterscheide die Aufzeichnungen aus den eigent- 
lichen Quellen von den Sammlungen aus den Bearbeitungen 
und Hilfsmitteln.. Mit Rücksicht auf die Quellen sahen wir 
schon oben n. 45,2 p. 125, daß nichts als zu klein und 
unbedeutend beiseite gelassen werden darf. Bei den übri- 
gen Sammlungen soll nicht alles irgendwie Bemerkens- 
werte aufgezeichnet werden, sondern nur das Hervorra- 
gendste nnd Zweckdienlichste. Dabei wird die richtige Ein- 
schätzung des Wertes der verschiedenen Schriften und 
Hilfsmittel einen guten Fingerzeig für die Bestimmung des 
rechten Maßes bei den Auszügen aus denselben geben 
können. 
1) Aulus Gellius, Noctes Atticae, Praef. 11. 
2) Ders. ebd. 1. 14 c. 6. 
16° 
11%
	        
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