Messen und Ausstellungen, 405
pagandamittel wirken, sondern nur die Waren selbst, die durch Muster
repräsentiert sind, Das ist ein wertvoller demokratischer Grundzug im
Messewesen, Der kleine Produzent, der an sich leistungsfähig ist, aber
mit der teueren Reklame größerer Konkurrenten nicht mitkommen
kann, hat durch die Messe immer wieder die Gelegenheit, an den
Kunden direkt heranzukommen und durch die Güte seiner Leistung
selbst all die Reklame von Wettbewerbern, die zwar finanzkräftiger,
aber nicht leistungsfähiger sind, aus dem Felde zu schlagen. Ähnlich
ergeht es auch dem Einkäufer, Auf der Messe braucht er sich nicht
durch die Flut von Reklamen verblüffen zu lassen, die täglich auf ihn
herniedergehen; hier sieht er vielmehr die Waren selbst und kann sich
unbefangen und objektiv sein eigenes Urteil bilden.
Dieser große Vorteil, den nur die moderne Mustermesse bietet,
tritt dann besonders hervor, wenn auf der Messe die verschiedenen
Branchen spezialisiert und übersichtlich zusammengefaßt werden. Den
Wünschen der Aussteller, die nicht gern „unmittelbar neben der Kon-
kurrenz” stehen möchten, kann man dadurch gerecht werden, daß man
innerhalb einer bestimmten Branchengruppe eine gewisse Mischung
der Spezialitäten durchführt, was nicht bedenklich ist, wenn man es
etwa mit der Ausstellerschaft eines bestimmten Meßpalastes zu tun
hat und die praktisch gebotenen Grenzen mit Umsicht innehält.
Ein nicht unbedeutendes privatwirtschaftliches Interesse ist
schließlich noch die persönliche Fühlungnahme zwischen Käufer und
Verkäufer, die heute so notwendig für die Gesundung unserer inneren
Wirtschaftsverhältnisse ist, nachdem in den letzten Jahren der Infla-
tion die Kartelle und Konventionen gepanzerte Fronten der verschie-
denen Interessentengruppen geschaffen haben, die — was aber begreif-
licherweise niemals völlig gelang — durch komplizierte Formeln das
in der Krisenzeit abhanden gekommene persönliche Vertrauen zu er-
setzen suchten,
Wenn irgendeine Einrichtung wirtschaftspolitischen Charakters
der Privatwirtschaft in allen ihren Teilen — Produzenten und
Händlern, Arbeitnehmern und Konsumenten — gleichmäßig Nutzen
bringt, dann kann es auch an ihrer volkswirtschaftlichen Zweckmäßig-
keit keinen Zweifel mehr geben, Fragen wir uns heute nach den vor-
nehmsten Zielen unserer Wirtschaftspolitik, so stehen Steigerung der
produktiven Leistungsfähigkeit einerseits, Sparsamkeit zur Bildung
neuen Betriebskapitals andererseits wohl unbedingt voran. Das Messe-
wesen wirkt positiv im Sinne beider Forderungen, Es schafft einen
gesunden Wettbewerb der sachlichen Leistungen und zwingt den
Unternehmer, besser und billiger zu produzieren, damit er sich im
Konkurrenzkampfe behaupten kann. Es bahnt dem Fortschritt neue