Full text: Die deutsche Wirtschaft

Die außenpolitischen Aufgaben der Wirtschaft, 509 
in seine Schuldknechtschaft kommen. Ein solches Verhältnis löst nur 
zu leicht Verstimmung, Verbitterung bei ihnen aus. 
Verschärft wird es dadurch, daß die Vereinigten Staaten die Ein- 
wanderung in ganz unerhörter Weise ausschließen. Sie nehmen den 
Völkern Europas die Absatz- und damit die Arbeitsmöglichkeiten und 
gleichzeitig die, sich eine Wohn- und Arbeitsstätte bei ihnen zu suchen. 
Das heißt sie auf doppelte Weise ins Elend treiben. Sie verteuern damit 
freilich ihre eigene Produktion und schränken sie ein, ganz besonders 
die von Getreide und Baumwolle. Das treibt aber wieder deren Preise; 
wird doch der Anbau absichtlich zu diesem Zweck eingeschränkt. Die 
auf deren Verbrauch angewiesenen Länder suchen sich gegen solche 
Schädigungen zu schützen und sich — wenn sie dazu in der Lage sind — 
unabhängig von Nordamerika zu machen. England will mit den 
gewaltigen Staudämmen des Nils im Süden den Baumwollanbau dort so 
steigern, daß es seinen Eigenbedarf dort und in Ägypten decken kann. 
Mit europäischem und eigenem Kapital ist das gleiche in Brasilien und 
in Nordargentinien, von den Holländern in Niederländisch-Indien in 
Angriff genommen, Die steigende Kupfergewinnung am Kongo 
(Katanga) und in Südafrika. in Australien und Chile, die wachsende 
Bleigewinnung Mexikos könnten das amerikanische Übergewicht be- 
seitigen, wenn nicht die Produktion Europas in so furchtbarem Rück- 
gang wäre. Das amerikanische Erdölmonopol ist durch die reichen 
Funde in Südrußland und Persien, in Mesopotamien, Niederländisch- 
Indien, in Mexiko und neuerdings in verschiedenen Staaten Südamerikas 
wohl durchbrochen; aber die ungeheure Kapitalmacht des nord- 
amerikanischen Standard Oil Trust faßt in allen andern Produktions- 
gebieten Fuß und zwingt durch einen brutalen Wettbewerb die andern 
Unternehmungen unter seine Kontrolle. Und diese Gefahr besteht nicht 
nur bei Mineralölen, sondern auch bei Baumwolle, Kupfer, Blei, 
Zink usw. 
Kein anderes Land hat auf dem Gebiet des Dumpingexports so 
gesündigt wie die Vereinigten Staaten, Die Geschichte des Standard 
Oil Trust wie die des Steel Trust liefern ungezählte Beispiele dafür, 
Und gerade sie sind es, die sich nicht nur gegen wirkliches Dumping, 
sondern auch gegen jede Einfuhr zu niedrigerem Preise als dem Konsum- 
preise des Herkunftslandes mit brutalen Strafmaßnahmen wenden. 
Erblicken sie doch ein solches selbst in der Rückvergütung der deut- 
schen Umsatzsteuer bei der Ausfuhr, obgleich diese doch eine aus- 
gesprochene Verbrauchssteuer ist, Ihre Industriellen können infolge 
ihrer Kapitalmacht schon durch ausgedehnte Zahlungsziele ein wirk- 
sames Dumping ausüben, gegen das andere Länder sich kaum schützen 
können.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.