Full text : Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

zu erzwingen, blieb ohne Erfolg. Es scheint, als ob die Bauunternehmer
 bei diesem Streit ausgesprochen auf seiten der Bautischler
stehen, und diese hatten sogar die Genugtuung, auf ihrem letzten
Kongress einen Hohlmetallfabrikanten mit einer Rede auftreten
lassen zu können, in der er, der sich selbst als ehemaliger Hohlmetallarbeiter
 bezeichnete, das Recht der Bautischler auf das Einsetzen
 und Anschlagen anerkannte.
Wie sich denken lässt, gerät die Federation durch solche Streitigkeiten
 in eine sehr üble Lage. Sie erkennt die moralische Verpflichtung
 an, für die Entscheidungen des National Board einzutreten,
 verfügt aber über keine Machtmittel, um die Organisation
der Bautischler dazu zu zwingen. Diese Organisation ist nächst
den Bergarbeitern die grösste und auch eine der tüchtigsten in
der Federation, und sie ist offenbar fest entschlossen, sich von
niemand das nehmen zu lassen, was sie für ihr Recht hält. Bereits
 ist der Zusammenhalt im Kartell der baugewerblichen Verbände
 durch diese Streitigkeiten ernstlich gelockert, und es ist
noch gar nicht abzusehen, welche Folgen für die Gesamtbewegung
sich noch weiter daraus entspinnen können.
°8. Die Einwanderungsfrage.
Bei der grossen Bedeutung, die gerade die amerikanischen Gewerkschaften
 auf die Kontrolle des Arbeitsmarktes legen, ist es
begreiflich, dass sie auch der Einwanderungsfrage ihre Aufmerksamkeit
 zuwenden mussten. Seit Beginn der neunziger Jahre
haben sie sich andauernd mit diesem Problem beschäftigt und mit
immer grösserer Dringlichkeit eine Beschränkung der Einwanderung
gefordert. Die Gesetzgebung der neueren Zeit ist diesem Verlangen
auch gerecht geworden.
Die Einwanderung ist zurzeit auf 2 Prozent der Einwohner fremdländischer
 Herkunft, die im Jahre 1890 in den Vereinigten Staaten
lebten, beschränkt worden. Durch diese Bestimmung soll nicht
nur die Einwanderung an sich begrenzt, sondern auch das Nationalitätenbild,
 das sie vor 1890 zeigte, wiederhergestellt werden. Bis
dahin waren es vorzugsweise Angehörige der kulturell fortgeschrittensten
 europäischen Nationen, besonders auch der deutschen,
die in Amerika eine neue Heimat suchten. Später versiegte dieser
Strom wegen der günstigeren industriellen Entwickelung im
eigenen Lande, und statt dessen ergoss sich ein neuer Auswandererstrom
 aus den zurückgebliebensten osteuropäischen Gebieten in
die Vereinigten Staaten. Durch die Quotierung auf den Nationalitätenstand
 von 1890 wird also diese osteuropäische Einwanderung
ganz besonders stark gedrosselt. Im ganzen ist nach dem
„Zwei-Prozent-Gesetz‘“ noch eine Einwanderung von höchstens

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