Full text: Bolschewismus, Fascismus und Demokratie

U Italien nicht hoffen, neue Gebiete zu erobern. Und andererseits haben die 
- Gebiete, die es annektieren könnte, keinen beträchtlichen wirtschaftlichen 
3 Wert. Jeder Kampf zwischen Italien und den Nachbarvölkern würde tödlich 
} sein und in jedem Fall unheilvoll für den europäischen Frieden. Nichts- 
© destoweniger muß aller italienische Nationalismus französische, deutsche und 
> slavische Nationalisten-Bewegungen verursachen. Der Nationalismus ist für 
S Italien eine Quelle unfruchtbaren Hasses, wenn nicht der gerade Weg zum 
S Selbstmord. Er ist ein Programm künftigen Elendes, bar jeder Vernunft. 
7 Trotzdem besitzt auch Italien einen heftigen und intoleranten Nationalismus, 
C und wenn dieser noch nicht viel Schaden verursacht hat, so ist es deshalb, weil 
2 in der auswärtigen Politik seine Äußerungen, abgesehen von manchem groben 
Irrtum, wie die Besetzung von Korfu, die Bedrohungen Afghanistans und 
die Beschimpfungen Deutschlands, bisher nur in Worten bestehen. 
Der Nationalismus oder, besser ausgedrückt, das Streben nach Vergröße- 
rung des Staates war die Basis alles Wirkens der meisten absolutistischen 
Regierungen. Aber die letzteren sprachen ım Namen eines göttlichen Rechtes, 
und die Eroberung schien den weniger fortgeschrittenen Völkern ein Mittel 
| zur Bereicherung. 
: In allen Zeiten sahen sich die Menschen vor die Frage gestellt, ob es 
vorteilhafter sei, selber Reichtum zu erzeugen oder den von anderen erzeugten 
Reichtum sich anzueignen. Oft erschien das Letztere vorteilhafter. Die Kriege, 
von kleinen Berufsheeren geführt, konnten lange dauern, ohne zu sehr die 
Wirtschaft der kämpfenden Nationen zu erschüttern. Die Sieger bemäch- 
tigten sich aller Reichtümer der Besiegten, ja oft auch ihres Landes und der 
Menschen. Die einbrechenden Truppen machten sich zu Herrschern, und die 
Soldaten wurden zu Lehensherren und Landeigentümern. Vom wirtschaft- 
lichen Standpunkt aus war der Krieg fast immer ein Vorteil für den Sieger. 
Aber die modernen Kriege, die von ganzen Nationen ausgefochten werden, 
verelenden fast im gleichen Maße Sieger und Besiegte ; auch die gerechtesten 
Landesvergrößerungen, seien sie selbst eine historische oder nationale Not- 
wendigkeit, gereichen fast niemals zum Vorteil. Die wirtschaftliche Lage 
nach einem großen Kriege bedeutet im heutigen dicht bevölkerten und auf 
den Güteraustausch angewiesenen Europa nichts als allgemeinen Schaden, 
ganz gleich, ob man von Siegern, Besiegten oder Neutralen spricht. Die Auf- 
fassung des Krieges als wirtschaftliches Unternehmen ist also recht weit von 
der heutigen Wirklichkeit entfernt. Ein Krieg kann eine Notwendigkeit sein, 
aber niemals ein Gewinn. 
Früher, als der Krieg als wirtschaftliche Unternehmung aufgefaßt wurde, 
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