Full text: Bolschewismus, Fascismus und Demokratie

nicht ihre Identifizierung mit der Action francaise, die von dieser einerseits 
und den Antichristen andererseits gemacht oder angeblich gemacht wird? 
Wenn ja, dann ist die Sache des Christentums bei unseren Völkern verloren.“ 
Ich habe keine wirksamere Verteidigung des Parlamentes und keine bessere 
Kritik der autokratischen Verirrungen gelesen als die des belgischen Premier- 
ministers, P, Poullet, in demselben Bande: „Anstatt eine tiefgreifende Pro- 
paganda zu veranstalten, um Wähler und öffentliche Meinung zu einer besse- 
ren Erkenntnis des allgemeinen Interesses und dadurch auch zu einer besseren 
Handhabung des parlamentarischen Systems zu bringen, zieht es unsere 
Jugend vor, die parlamentarische Verfassung als solche zu verdammen. Will 
sie sie durch eine bessere Verfassung ersetzen? Welche? Sie sagt es nicht, sie 
weiß es meist selber nicht. 
Auch verschweigen unsere jungen Leute, wenn sie uns mit ihrem Ideal be- 
kanntmachen, mit welchen Mitteln sie die erträumte Verfassung an der Stelle 
der jetzigen durchsetzen wollen. Man müßte dem tollsten Wahn verfallen 
sein, um zu diesem Endzweck an Gewalt zu denken. Wenn sie aber nicht an 
einen Staatsstreich denken, wie können sie sich dann verhehlen, daß ihre 
ablehnende Haltung unfruchtbar bleiben muß und daß ihr Verdammen Ge- 
fahr läuft, im Wind zu verwehen? 
Die französischen Katholiken haben ihre Lage nicht verbessert, als sie sich 
außerhalb der Republik stellten. Man wird nie die parlamentarıschen Ver- 
fassungen dadurch verbessern, daß man mit ihnen schmollt. Diese jungen 
Leute scheinen außerdem die deutlichsten Lehren der Geschichte zu ver- 
kennen. Keine menschliche Staatsform hat je ohne gewisse Schwächen, Ent- 
gleisungen und Übelstände funktioniert. Wie könnten unvollkommene Men- 
schen vollkommene Einrichtungen schaffen? 
Ich bitte diese jungen Leute, sich den Verlauf unserer Landesgeschichte 
in Gedanken kurz zu rekapitulieren. Finden sie darin, seit dem frühesten 
Mittelalter, einen einzigen Zeitabschnitt, wo in unseren Provinzen eine ideale, 
tadellose Verfassung bestand? 
Hat das Stimmrecht nach dem Zensus, wie es in Belgien von 1830 bis 
1849 sich behauptete, irgendwie besser als das allgemeine Stimmrecht den 
Frieden, die bürgerliche Eintracht, das friedliche Zusammenleben und das 
wirtschaftliche Gedeihen geschützt? 
Wäre es denn besser, zum System des Grundgesetzes von Wilhelm I. 
‚König der damals noch vereinten Großniederlande) zurückzukehren, dessen 
Regierung uns zur Revolution von 1830 geführt hat? (Revolution, welche 
die Trennung von Belgien und Holland herbeiführte.) Oder hätte die Zeit 
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