VIERZEHNTES KAPITEL
DER ERSTE ANTRAG AUF STUNDUNG
Im Herbst 1921 war es für jeden wirtschaftlich Denkenden
klar geworden, daß Deutschland die nächsten unter dem
Zahlungsplan von London fälligen Geldzahlungen aus eigenen
Kräften nicht würde leisten können, Schon im August 1921 hatte
Professor John Meynard Keynes geschrieben, daß Deutschland
zwischen Februar und August 1922 mit den Zahlungen im Verzuge
bleiben müsse, Inzwischen hatten die Umstände, unter
welchen Deutschland es fertig brachte, die erste Milliarde Goldmark
zu zahlen, deutlich gezeigt, daß ein solches Experiment nicht
ein zweites Mal glücken werde, In der Tat waren die Wirkungen
dieser Zahlung nicht nur auf die deutsche Währung, sondern auch
auf die fremden Wechselkurse ganz erstaunlich, Die deutsche Regierung
hatte die am 31, Mai 1921 fälligen 150 Millionen
bereits am 15, Mai in verschiedenen Devisen zur Hand, Auf Verlangen
der Reparationskommission mußten diese Devisen binnen.
zehn Tagen in Dollar umgewandelt der Federal Reserve Bank
in New York überwiesen werden, Der forcierte Dollarkauf führte
zu einem sofortigen Rückgang aller Devisen, die von Deutschland
verkauft werden mußten, Diese Bewegung setzte sich auch nach
dem 31, Mai 1921 fort, weil die internationale Spekulation
andauernd Dollars weiter kaufte in der Annahme, daß die
Reparationskommission die Zahlung der gesamten Milliarde Goldmark
in Dollars verlangen würde, So fiel in der Zeit vom 21, Mai
bis 30. Juli 1921 das englische Pfund in New York von 4 auf
3.57 Dollar, der französische Franc von 8,78 auf 7.64, der hol-1.
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