Full text : Der Weg der Reparation

gebieten der Welt einen Vorsprung vor den mit Goldschulden
belasteten Industrien des Auslandes besitze. Um das Gleichgewicht
 in der Konkurrenz wieder herzustellen, sollte die deutsche
Industrie mit einer besonderen Reparationsschuld beschwert
werden, und zwar in Höhe ihrer Vorkriegsschuld, die etwa fünf
Milliarden Goldmark betragen hatte, Vorkämpfer für diese Idee
war der italienische Delegierte Pirelli, Die Amerikaner und Engländer
 schlossen sich ihm noch aus einer anderen Erwägung an.
Sie wollten den Vorwurf vermeiden, daß die Sachverständigen
als Vertreter des Kapitalismus die. ganze Reparationslast durch
indirekte Abgaben aus Verbrauch und Verkehr auf die Schultern
der breiten Massen legten,
Die deutsche Landwirtschaft blieb von einem direkten Beitrag
zur Reparation verschont. Der Landbesitz war durch die Entwertung
 der Mark zwar gleichfalls entschuldet, es schien den
Sachverständigen jedoch zweifelhaft, ob man ihn ohne Schädigung
der deutschen Wirtschaft mit einem Teile der Reparation belasten
 könne,
Um sich von vornherein die Zustimmung der Industrie zu
sichern, zog das Komitee Dr. Buecher, Geschäftsführer des
Zentralverbandes der deutschen Industrie, zu vertraulichen Besprechungen
 heran. Dabei wurde ein grundsätzliches Einverständnis
 erreicht,
So hatte das Komitee die einzelnen Quellen der Reparation
für seinen Plan gefunden, Als schwerste Aufgabe blieb noch
übrig, die jährliche Gesamtsumme festzusetzen, mit der Deutschland
 belastet werden sollte, Hier galt es, die wirtschaftlichen Möglichkeiten
 mit den politischen Forderungen auszugleichen, Daß
Deutschland einer Schonungsfrist bedurfte und in den ersten
Jahren nur allmählich ansteigende Leistungen tragen konnte,
stand fest. Wie groß aber sollte die Jahreslast in normalen
Zeiten sein?
ANNUITÄTEN
Der englische Plan vom Januar 1923 sah eine regelmäßige
Annuität von 2% Milliarden Goldmark vor, die vom Jahre 1923
ab auf 3% Milliarden Goldmark erhöht werden konnte, falls ein
Bergmann, Der Weg der Reparation 19 .

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