Full text: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

V [HI Vorwort. 
nicht so weit steigerte, daß zahlreiche Kaufleute auf die Aus- 
übung des Kleinhandels verzichten konnten, so gibt mir die 
siebente Abhandlung Gelegenheit, wiederum die Bedeutung 
des mittelalterlichen Handels hervorzuheben. Ich wende mich 
in ihr gegen die These Sombarts, daß der Bürger der mittel- 
alterlichen Stadt durch den Handelsbetrieb es schlechterdings 
nicht bis zum reichen Mann bringen konnte, daß vielmehr 
Kapitalansammlung damals nur durch Anhäufung von Grund- 
rente möglich gewesen sei. Wenn der Handelsgewinn damals 
auch aus bescheidenern Betrieben kam, so war er immerhin 
beträchtlich genug, um manchen Kaufmann zum reichen Mann 
zu machen. Der Gewinn aus der Grundrente wurde erst durch 
die Entwicklung von Handel und Gewerbe in den Städten 
erheblich. 
Mit der Frage, durch welche Verhältnisse die mittelalter- 
liche Stadtwirtschaft abgelöst worden ist, beschäftigt sich die 
achte Abhandlung. Im Gegensatz zu Schmoller, welcher eine 
Stufe der ,Territorialwirtschaft“ annahm, legt sie dar, daß 
es wohl eine bemerkenswerte territoriale Wirtschaftspolitik 
gegeben hat, darum aber noch nicht eine ,Territorialwirt- 
schaft". Sie schildert, wie viel von dem mittelalterlichen System 
in die neuern Jahrhunderte hinübergenommen worden ist 
und wie neue Formen des Handels und der Gewerbe allmäh- 
lich auftauchen und Jich jenem gegenüber geltend machen. 
Die drei ersten Abhandlungen sind der Geschichte der Land 
wirtschaft gewidmet. Die erste verbindet mit der Beant 
wortung der Frage nach den Cigentumsverhältnissen der Ur- 
zeit am Acterland die Prüfung der Brauchbarkeit der histo- 
rischen Analogie, welches Problem ja ganz besonders in der 
wirtschaftsgeschichtlichen Literatur eine große Rolle spielt. 
Die zweite Abhandlung, in welcher ich die Entwicklung der 
deutschen Landwirtschaft von der Urzeit bis zum Schluß des 
Mittelalters skizziere und namentlich das Verhältnis von 
Grundherren und Bauern zueinander und ihre Verdienste 
um die Förderung des deutschen Ackerbaus schildere, behandelt 
ihren großen Stofsf knapper als die andern Abhandlungen,
	        
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