9: Die Werttheorie (Fortsetzung)
„Gütervorrat‘“ veränderte sich sofort. Warum? Ja, einfach deshalb,
weil neue Produktionsbedingungen, die Böhm-Bawerk
auch mit keiner Silbe andeutet, eintraten?®. Der Produktionsprozeß
ist aber durchaus kein „verwickelter Umstand“,
keine „Modifikation‘ des Hauptfalles usw., wie sich dies Böhm-Bawerk
denkt. Im Gegenteil ist die Produktion die Grundlage des
sozialen Lebens schlechthin und dessen wirtschaftlicher Seite im
besonderen. Die „Seltenheit“ der Güter ist (mit Ausnahme
weniger Fälle, von denen wir mit vollem Recht abstrahieren
dürfen) nur der Ausdruck für bestimmte Produktionsbedingungen,
sie ist die Funktion des gesellschaftlichen Arbeitsaufwands?*.
Deshalb kann das, was früher „selten‘“ war, bei veränderten Bedingungen
eine weite Verbreitung finden. „Warum .. . sind Baumwolle,
Kartoffeln und Branntwein die Angelpunkte der bürgerlichen
Gesellschaft? Weil zu ihrer Herstellung am wenigsten
Arbeit erforderlich ist und sie infolgedessen am niedrigsten im
Preise stehen“.“ Aber eine derartige Rolle spielten diese Produkte
keinesfalls immer. Sowohl Baumwolle als Kartoffeln begannen
diese Rolle erst mit der Veränderung des Systems der
gesellschaftlichen Arbeit zu spielen, erst dann, als die Produktions-
und Reproduktionskosten dieser Produkte (ebenso wie ihre
Transportkosten) eine bestimmte Höhe erreichten?‘.
Also, ohne eine Antwort auf die Frage zu geben, wodurch das
Quantum der Güter bestimmt wird, kann Böhm-Bawerk auch
nicht die zweite Frage, nämlich: wodurch die jeweilige Höhe des
Grenznutzens bestimmt wird, erschöpfend beantworten.
28 Wie Shelesnow richtig bemerkt, vergessen die Oesterreicher, „daß die
Menschen in ihrer Wirtschaftstätigkeit den Mangel an Gaben der Natur durch
besondere Anstrengungen zu überwinden bestrebt sind, dank denen die Abhängigkeitsgrenzen
des Menschen von der materiellen Welt elastischer und
immer mehr erweitert werden“ (Shelesnow: „Grundriß der politischen Oekonomie“,
Moskau 1912, S. 380, russ.).
24 ,...die relative Seltenheit macht sie (die Ware. N. B.) subjektiv zum
Gegenstand der Schätzung, während objektiv — vom Standpunkte der Gesellschaft
— ihre Seltenheit eine Funktion des Arbeitsaufwandes ist, und in dessen
Größe ihr objektives Maß findet“. R. Hilferding: „Böhm-Bawerks Marx-Kritik“,
S: 13.
75 Karl Marx: „Das Elend der Philosophie“, S. 37.
“® In einem anderen Teil seiner Arbeit erkennt Böhm die Bedeutung dieses
Moments an, doch zeigt dies nur seine Inkonsequenz, da die Produktionskosten
nach ihm nur vom Grenznutzen abhängig sind. So erhält man den
circulus vitiosus. Davon aber weiter unten, in anderem Zusammenhang.
Carver beschränkt sich durchaus nicht auf die Betrachtung vom Himmel gefallener
Meteore. Er analysiert vor allem die produzierten Güter. Vgl. Carver,
lc. DD. 27-31.
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