Vorwort zur russischen Ausgabe 7
der bürgerlichen politischen . Oekonomie gestellt (siehe seine
„Theorien über den Mehrwert‘).
Während die Marxisten sich gewöhnlich auf eine soziologische
und methodologische Kritik der österreichischen Schule beschränkten,
kritisierten die bürgerlichen Gegner dieser Schule sie hauptsächlich
vom Standpunkt der Unrichtigkeit einzelner Schlußfolgerungen.
Nur der fast alleinstehende R. Stolzmann hat
versucht, eine ausführliche Kritik Böhm-Bawerks zu geben. Sofern
einzelne Grundgedanken dieses Autors eine gewisse theoretische
Verwandtschaft mit dem Marxismus aufweisen, ist unsere
Kritik der „Oesterreicher‘* der Stolzmanns ähnlich. Ich hielt es für
notwendig, diese Uebereinstimmung beider Kritiken auch in den
Fällen hervorzuheben, in denen ich zu denselben Schlußfolgerungen
kam, noch ehe ich Stolzmanns Arbeit kennen lernte. Indessen
stützt sich Stolzmann bei all seinen Vorzügen auf eine ganz
unrichtige Auffassung der Gesellschaft als eines „Zweckgebildes“‘.
Nicht umsonst verteidigt sich R. Liefmann, ein sehr wichtiger Anhänger
der österreichischen Schule, die er vertiefte und deren Besonderheiten
er schärfer hervorhob, gegenüber Stolzmann, indem
er dessen Teleologie bekämpft. Dieser teleologische Standpunkt,
zusammen mit den ausgesprochenen apologetischen Tönen, gestattet
Stolzmann nicht, seiner Kritik der österreichischen Schule
einen entsprechenden theoretischen Rahmen zu geben. Diese Arbeit
können nur Marxisten leisten, und einen Versuch in dieser
Richtung stellt vorliegende Arbeit dar.
Die Auswahl des Gegenstandes unserer Kritik braucht wohl
nicht des längeren erörtert zu werden. Es ist allgemein anerkannt,
daß der stärkste Gegner des Marxismus eben die österreichische
Schule ist.
Es kann sonderbar erscheinen, daß ich meine Arbeit in einer
Zeit des tobenden Bürgerkrieges in Europa veröffeniliche; indes
haben sich die Marxisten nie verpflichtet, ihre theoretische Arbeit
einzustellen, auch nicht zur Zeit der schärfsten Klassenkämpfe,
wenn nur die physische Möglichkeit für eine derartige Arbeit vorhanden
ist. Viel ernster wäre die Erwiderung, daß es doch mindestens
unsinnig sei, die kapitalistische Theorie zu widerlegen, wenn
Objekt und Subjekt dieser Theorie jetzt in den Flammen der
kommunistischen Revolution untergehen. Aber auch eine solche
Erwiderung wäre nicht stichhaltig, weil zum Verständnis der gegenwärtigen
Ereignisse die Kritik des kapitalistischen Systems
äußerst wichtig ist. Und sofern eine Kritik der bürgerlichen Theorien
den Weg dazu ebnet, behält sie auch Erkenntniswert.