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VIL Abfdnitt: Einzelne SchuldverhHältniffe.
auf den ihm nad Gejeß oder Vertrag obliegenden Grad der Sorgfalt in beiden
Sällen nicht al3 „mwiderrechtliH“ im Sinne de8 8 823 erfcheint (vgl. Bem. II, B, 1
zu S 823; ebenjo Neumann VBorbem. F, II, Urt. d. RMeichsger. vom
11. Oftober 1910 Recht 1910 Nr. 3916; f. aucH Dertmann Bem. 5, a zu
8 276 und Vorbem. 5, a, vor S 823, Fijdher S. 114ff., ROR.-Komm. Borbem. 4,
WindichHeid-Kipp, and. Bd. 2 S. 950, Pland Borbem. 5, Alfeld in der Krit.
Mierteljihr. Bd. 43 S. 60 ff, Urt, d. OLG, Kafjel vom 19. Januar 1910 Ripr.
d. OLG. Bd. 20 S. 279; im Ergebnifje nit wefjentlid) abweichend, aber mit
anderer Begründung, Crome a. a. OD.)
DurG einen Dritten kann das VertragSverhältni8 {elbjt (da8 vineulum
obligationis) nit verlegt werden (Dertmann Bem. 3, d, 8 zu S 823), wohl aber
der Gegenftand der Leiftung. Berftört C eine dem A gehörende Sache, die
diefer auf Grund Vertrags an B herauszugeben Hat, fo erjcheint al8 verlegt
und daher fhadenzerjaßberechtigt an ih nur A, nidt auch B (ein Recht „zZUT
Sache“ [jus ad rem] erfennt daS BGB, nicht an; val. oben S. 3 Ziff. 2, 1. auch
unten Bif. V).
Ob der obligatorijh Berechtigte wegen Berlekung feines Befigreht8
gegen den Dritten gemäß 8 823 Ab]. 1 vorgehen kann, hHängt von der Ent
[Heidung der Frage ab, ob der Befiß alS ein „Jonftige8 Itecht“ im Sinne des
$ 823 Ubi. 1 betrachtet werden kann; val. hierüber Ben II, A, 2, €, «, 8 zu S 823,
Außerdem fanın, wie in der II. Komm. Herborgehoben wurde, die Ver-
leßung eineS Forderungsrecht3 dur einen Dritten fiH als Belhädigung eines
Vermögensftück3 darftellen und daher, wenn die verleßende Handlung gegen
ein den Schuß des Intereffes des Befhädigiten an diejem Vermögensftücke
hezwedendes SGefebß verftößt, unter S 823 Ab]. 2 fallen (%. II, 572; f. auch
M. IL, 727, Sacubeziy, Bem. S. 161).
Endlich kann die GHandlungSweife des Dritten möglicherweife als ein
den Gläubiger gemäß 8 826 zum Anfprudg auf SchadenZerfag berechtigendes
Verhalten zu erachten fein.
Ein Hecht im Sinne des 8823 Abi. 1 ift daZ Forderung S-
cedht nicht (Bem. II, A, 2, e, zu $ 823).
Val. Hiezu Fijdher a. a. DO. S. 76 f., 182 ff., land Vorbemt. 4 und
Bem. II, 1, £, £ zu 8 823, Crome S. 1020 ff., Wind{Heid-Kipp, Rand. Bd. 2
S, 948, Goldmann-Lilienthal S. 592 Anm, 59, Dernburg S 383, IV, 2, Scholl-
meyer S. 220 ff., Neumann Note B, V, 2 zu S 823.
Der Tatbeitand einer unerlaubten Handlung kann auch dann vorliegen, wenn
jemand durch argliftige Täufdgung oder widerrechtlih durch Drohung zur
Abgabe einer Wikenserkärung beftinumt worden ift. In diefem Falle kann der
Berleste nach feiner Wahl entweder von feinem AnfehHhtung3rechte (S 1238)
Bebrauch maden oder mit der Mage auf ShHabenZerfaß BWiederaufhebung
ber Nechtawirkungen feiner Willenserklärung S& 249) und Erjaß des jonftigen
Schaden3 (val. Urt. d, OLG. Braunihweig vom 20, Ottober 1902 Seuff. Arch.
Bd. 59 Nr. 147) beanfbruchen, wa inZbefondere wegen der Präklufivfrijten des
Anfedhtungsreght3 (8 124) von Bedeutung {ft (vgl. M. II, 756 ff., ferner Bd. I
diefes Kommentar Bem. VI zu 8 128, f, au 8 853 und Bem, hiezu).
Mat der SGetäufchte oder Bedrohte von feinem AnfedhHtungSrechte Ges
Brauch, fo muß jeder Beteiligte da8 von dem anderen Empfangene zurüdgewähren,
da der gleiche Zuftand Herzuftellen ift, al3 menn der Vertrag nicht ge[hloffen wäre
{& 142); der Anfechtende kann nicht daz Erfüllungsinterefje, fondern nur Erfaß
de8 fog. negativen BertragSinterefjes (3. B. Erjag unniüig aufgewendeter Koften)
verlangen. Wird SchadenSerfaß nach SS 823 {f. begehrt, fo {ft der Zuftand
herzuftellen, der mangels Verübung der unerlaubten Handluna beftehen würde.
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