144 Die Profittheorie (Fortsetzung)
tiven Wertschätzungen an, aus denen der objektive Wert und in
jedem konkreten Fall — der Preis entsteht.
Böhm-Bawerk weist auf drei Gründe hin, weshalb die gegenwärtigen
Güter höher als die zukünftigen geschätzt werden:
1. das verschiedene Verhältnis zwischen den Bedürfnissen und den
Mitteln zu deren Befriedigung zu verschiedenen Zeiten; 2. die
systematische Unterschätzung der zukünftigen Güter; 3. die technische
Ueberlegenheit der gegenwärtigen Güter. Wenden wir uns
nun der Untersuchung der Böhmschen Argumente zu. Wir beginnen
mit dem ersten „Grund“: „Ein erster Hauptgrund, der
geeignet ist, eine Verschiedenheit im Werte gegenwärtiger und
künftiger Güter herbeizuführen, liegt in der Verschiedenheit des
Verhältnisses von Bedarf und Deckung in den verschiedenen
Zeiträumen®.‘‘ Dieser „Grund“ für die höhere Wertschätzung
der gegenwärtigen Güter soll gewöhnlich in zwei typischen Fällen
vorkommen: Erstens in allen den Fällen, in denen die Menschen
sich in schwieriger Lage befinden; zweitens in den Wertschätzungen
all derer, die in der Zukunft mit einer gesicherten
Existenz rechnen (anfangende Aerzte, Rechtsanwälte usw.). Für
diese beiden Kategorien sind die „gegenwärtigen‘‘ 100 Gulden
viel wichtiger als die „zukünftigen“, da in dem zukünftigen
„Verhältnis von Bedarf und Deckung“ sich die Chancen für die
beiden Kategorien viel günstiger gestalten können. Es gibt jedoch
eine Reihe von Personen, für die gerade das umgekehrte Verhältnis
zwischen Bedarf und Deckung gilt, nämlich eine relativ
gute Lage in der Gegenwart und eine schlechtere in der Zukunft.
In diesem Falle — sagt Böhm — muß Folgendes beachtet werden:
Das gegenwärtige Gut, z. B. ein Gulden, kann entweder in
der Gegenwart oder in der Zukunft verbraucht werden. Dies gilt
besonders vom Gelde, da letzteres leicht aufbewahrt werden kann.
Dabei stellt sich das Verhältnis zwischen den gegenwärtigen und
den zukünftigen Gütern so: Die zukünftigen Güter können nur
die zukünftigen Bedürfnisse befriedigen; anders die gegenwärtigen
Güter: sie können diese zukünftigen und darüber
hinaus die gegenwärtigen Bedürfnisse, die in einem näheren
Zeitabschnitt liegen, befriedigen. Dabei sind wiederum zwei
Fälle möglich: 1. Die gegenwärtigen und die näher
liegenden zukünftigen Bedürfnisse sind weniger
wichtig als die zukünftigen, — in diesem Falle wird
das gegenwärtige Gut aufgehoben, um die zukünftigen Bedürfnisse
zu decken; der Wert dieses Gutes wird durch die Wichtigkeit
der letzteren bestimmt; das gegenwärtige Gut wird im Werte
3 Böhm-Bawerk: „Positive Theorie‘, S. 440.