Bisherige Behandlung und Abgrenzung
der Theorie der forstlichen Oekonomitk.
Die Beziehungen der Forsstwissenschaft zur Wirtschaftswissenschaft sind
seit langer Zeit Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung gewesen. Als
sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Forstwirtschaftslehre
aus der empirisch-handwerksmäßigen Behandlung zu den ersten Anfängen
wissenschaftlicher Betrachtungsweise zu erheben begann, da waren die
Träger dieser Entwicklung neben einer Anzahl tüchtiger und federgewandter
Berufsforstleute vor allem einige der juristisch-kameralistisch gebildeten
einzelstaatlichen Wirtschaftspolitiker und der an den Universitäten
lehrenden Professoren der Kameralwissenschaften, die von der breiten
Grundlage ihrer sstaats- und wirtsschaftswissenschaftlichen Kenntnisse
aus neben anderen VWirtsschasstszweigen auch die Bewirtschaftung
der Forsten in den Kreis ihrer Betrachtung einbezogen. Aus
ihrer kameralistischen Einstellung heraus ergab sich in ihren Schriften
häufig eine weitgehende Berücksichtigung der wirtschaftstheoretischen
Grundlagen sowohl wie der wirtschaftspolitischen Aufgaben der Forst-
wirtschast, die wir bei den der Forstwirtschaft oder Forstwissenschaft
entstammenden Schriftstellern auch späterer Zeiten in der Regel vermissen.
Für das Voranstellen des ökonomischen Gesichtspunktes ist bei den Kamera-
listen schon äußerlich die häufig wiederkehrende Anwendung des Begriffes
„Forstökonomie“ kennzeichnend. So gibt Wil h e lm Gottfried von
Mo er seinem forstlichen Hauptwerk den Titel „Grundsätze der Forst-
ökonomie“1), wie er denn auch am Eingang dieses Buches den Nutzen
und die Notwendigkeit der Lehre von der Forsstökonomie aus ökonomischen
Gesichtspunkten heraus begründet).
Vet !) §ülbetr Gottfried Moser, Grundsätze der Forstökonomie, Frankfurt und
eipzig, .
?) Daselbst, S. 5: „Der Nutzen und die Notwendigkeit einer solchen Lehre
leuchtet von selbst ein. Das Holz ist eine der allernötigsten Bedürfnisse des
Lebens, ein Stück, das wir so wenig zur Notdurft als Bequemlichkeit entbehren
können, das bei allen Arten von Gewerben seinen Nutzen zeigt, und durch dessen
Errangetuug dem gesamten Nahrungsstand die allerschädlichsten Folgen zu-
wachsen würden “
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