Full text : Weltporto-Reform

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Ich  habe  diese  allgemeinen  Erörterungen  vorausgeschickt,
weil  ich  es  für  wichtig  hielt,  auf  diesen  Mangel  einmal  offen
hinzuweisen.  Nunmehr  will  ich,  da  es  sich  beim  Weltpennyporto
  hauptsächlich  um  finanzielle  Bedenken  dreht,  auf  einige
Yerkehrssteigerungen  hinweisen,  die  in  der  letzten  Zeit
durch  ähnliche  Portoermässigungen  erzielt  wurden,  und
untersuchen,  ob  die  Hindernisse  der  Reform  wirklich  so  gross
sind,  wie  man  oft  meint.
Ich  möchte  dabei  noch  auf  eines  aufmerksam  machen.
Wenn  der  internationale  Briefverkehr  erleichtert  wird,
so  kommt  das  oft  genug  auch  dem  inländischen  Verkehr
zugute.  Schon  alsPrivatmann  wird  man  von  seinen  ausländischen
Freunden  oft  zu  brieflichen  Ermittelungen  oder  Besorgungen  im

Die  Zahl  der  unabhängig  dastehenden  Verkehrstarif  forscher
und-Kenner  ist  übrigens  ganz  verschwindend  klein,  und  zu  Buchpüblikationen
  werden  sie  sich  wohl  nicht  oft  entschliessen,  weil  diese  bei  dem
meist  geringen  Absatz,  trotz  des  hohen  Interesses  weitester  Kreise  an  den
Reformzielen,  nur  selten  ohne  grosse  Opfer  möglich  sind.  Es  sei  denn,  dass
zahlreiche  Vereine  durch  Subskription  einer  grösseren  Anzahl  von  Exemplaren ­
  wenigstens  die  Druckkosten  mittragen,  was  aber  unbekannten  Autoren
natürlich  kaum  gelingen  würde  und  auch  sonst  schwierig  wäre.  Viele  unglückliche ­
  Reformen  und  Verkehrsrückschritte  hätten  gewiss
vermieden  werden  können,  wenn  zur  rechten  Zeit  eine  gründliche
Buchliteratur  Presse  und  Parlament  aufgeklärt  hätte,  denn  kurze  und
meist  oberflächliche  Zeitungsartikel  pflegen  nicht  genügend  zu  überzeugen.
Der  Schaden  aber  kann  gross  sein.
Man  übersieht  nur  zu  leicht,  wie  sehr  die  einzelnen  Verkehrszweige
alle  mit  einander  verknüpft  sind  und  durch  einander  beeinflusst  werden.
Etwa  70  Millionen  deutscher  Zeitungsbeilagen  sind  wegen  der  letzten
Portoerhöhung  um  1 / i  Pf.  weniger  befördert  worden.  Da  diese  aber  Inserate
enthalten,  welche  Angebot  und  Nachfrage  aus  der  Ferne  in  Verbindung
bringen,  so  können  deswegen  auch  leicht  50  Millionen  Briefe  und  Postkarten
ausgefallen  sein,  die  sonst  geschrieben  worden  wären.  Die  Ortspostkarten
sind  um  85  Millionen  zurückgegangen.  Die  Verteuerung  der  Reisen  durch
die  Fahrkartensteuer  und  die  Fahrpreisreform  hat  wiederum  in  gleicher
Weise  zur  Verringerung  des  Ansichtskarten-,  Brief-,  Telegramm-  und  Geschäftsverkehrs ­
  beigetragen.  Die  Automöbilsteuer  wirkt  in  ähnlicher
Richtung.  Wenn  dann  noch  ein  wirtschaftlicher  Niedergang  hinzukommt,
wo  die  Anstrengung  nach  Absatz  und  Geschäftsabschlüssen  mit  Hilfe  der
Post  verdoppelt  einsetzen  sollte,  so  ist  ein  Rückgang  von  Verkehr  und  Einnahmen ­
  kein  Wunder.  Da  bedarf  es  also  der  Gegenwirkungen!
            
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