Schiffspanzer: Compoundplatten. Nickelstahlplatten. 727
Pressen ausgeschmiedet. Das Ausschmieden erfordert bei Tag- und Nachtarbeit acht bis
zehn Tage. Ist die Platte auf Maß beschnitten, so erfolgt das Härten durch Eintauchen
der angewärmten Platte in ein kaltes Ölbad. Nach dem Härten wird die Platte noch
mals angewärmt und allmählich erkalten gelassen.
Vom Jahre 1890 an begann nun ein neuer Aufschlvung in der Panzerplatten
fabrikation durch die Einführung des Nickelstahls. Ein Zusatz von Nickel zum Stahl
brachte nicht allein eine bedeutende Steigerung der Festigkeit mit sich, sondern erhöhte
auch die Dehnung des Materials wesentlich, so daß die Gefahr des Reißens der Platten
wesentlich herabgemindert wurde. Ferner konnte beim Nickelstahl der Härtcprozeß für
die Außenfläche des Panzers derart gesteigert werden, daß dieselbe eine diamantharte
Oberfläche erhielt. Tresidder in England nahm ein Patent auf Härten von Nickel
stahlplatten durch Abschrecken mit Hilfe von zahlreichen Wasserbrausen unter hohem Druck.
750. Irmeiitirrofrn für Nawerplatten.
Hierbei ist die Gewalt der Wasserstrahlen so groß, daß sie den auf der heißen Platte
sich entwickelnden Dampf durchdringen und die ganze Oberfläche der Platte benetzen.
Harvey in Amerika erzielte dagegen die Härtung der Homogenstahlplatte ans der Stirn
fläche durch einen Zementierprozeß. Hierbei wird die fast fertig bearbeitete Platte in
einem großen Gasofen auf einen Wagen ruhend gebracht, auf der oberen Fläche mit
Holzkohlenstaub oder einer dicken Schicht Tierkohle bedeckt und dann auf eine Dauer bis
zu 14 Tagen einer Glühhitze von 1200° 0. ausgesetzt. Hierdurch geht der Kohlenstoff
in die oberen Schichten der Platte über und gibt dieser eine größere Härte als der
unteren Schicht. Die Härteschicht erhält eine Dicke von 5 bis 15 mni und geht allmählich
in die weiche, hintere Lage über. Da der Zementstahl durch den Zementierprozeß ein
grobblätteriges, krystallinisches Gefüge erhält, so werden die Platten nach dem Zementieren
ausgeglüht und durch ein Ölbad vergütet. Für Nickelstahl ist nun das Zementieren in
sofern günstiger, als die Härtung tiefer in die Platte eindringt. Neben dem Harvey-
Berfahren hat nun neuerdings nach dem Vorgang von Schneider in Creuzot die Ver
wendung von Leuchtgas anstatt Kohlenstaub allgemeinen Eingang gefunden, da das
Leuchtgas bei starker Erhitzung seinen Kohlenstoff in feinster Teilung abscheidet, welcher