sitzen, noch eine so große Auswahl unter den neuen Verhältnissen
haben; aber was er verliert, würden andere gewinnen,
und die Intensität des Geschlechtsempfindens und
die Innigkeit und Leidenschaftlichkeit der Beziehungen
zwischen den Geschlechtern würden in keiner Weise berührt.
In unserer zivilisierten Gesellschaft, wie sie heute besteht,
hat die Frau (vielleicht oft mehr scheinbar als tatsächlich!)
eine einigermaßen größere Freiheit der geschlechtlichen
Wahl, sie wird nicht mehr durch Muskelkraft gewonnen;
aber es bestehen noch immer Verhältnisse, die, ohne jeden
Zusammenhang mit geschlechtlicher Anziehung und Neigung,
in hohem 'Grade die Geschlechtsbeziehungen beherrschen.
Nicht der Mann mit dem starken Arm, aber der Mann mit
dem großen Beutel ist es, der in unverhältnismäßiger und
künstlicher Weise heute das Geschlechtsleben beherrscht.
Tatsächlich ist die Frau, wo immer in der modernen Welt
sie ganz oder teilweise mit ihrem Unterhalt auf die Ausübung
ihrer Geschlechtsfunktionen angewiesen ist, mehr
oder weniger abhängig von der Fähigkeit des Mannes, sie
zu erhalten, und insofern ist ihre Freiheit der Wahl ganz
eingeschränkt. Gewiß dreiviertel aller Geschlechtsverbindungen
in unserer modernen europäischen Gesellschaft, ob
sie nun illegale oder legale Formen tragen, sind von der
Kaufkraft des Mannes abhängig oder stark beeinflußt. In
bezug auf die verbreitete barbarische Einrichtung der Prostitution,
die noch immer wie ein Krebsgeschwür im Innersten
unserer Zivilisation eingebettet liegt, ist das eine offenkundige,
nackte Tatsache; die Kaufkraft des Mannes
gegenüber den weiblichen Geschöpfen erscheint mit scheußlicher
Aufdringlichkeit als ihre Grundlage und Lebensquelle.
Aber die Kaufkraft des Mannes macht sich nicht
minder peinlich, wenn auch etwas weniger aufdringlich, in
den offener liegenden Gesellschaftsschichten geltend. Bei