124 Kap. IV. Der Mechanismus der Preisbildung.
in p ausgedrückt und da zwischen diesen Größen eine gegebene Gleichung besteht,
läßt sich die hier besonders eingeführte Unbekannte p berechnen, d. h. in den übrigen
Unbekannten ausdrücken, und das Gleichungssystem bewahrt dieselbe Bestimmtheit
wie im allgemeinen Fall.
Die Lösung ist dieselbe für den Grenzfall, daß die Gesamtkosten innerhalb
gewisser Grenzen fest, d. h. von der in Anspruch genommenen Produktmenge un-
abhängig sind.
Wenn mehrere verschiedene Produktpreise die Bedingung, daß die Gesamt-
kosten durch den Preis der gesamten Produktmenge gedeckt sein sollen, erfüllen,
muß der niedrigste dieser Preise gewählt werden.
Unser drittes supplementäres Prinzip, das Substitutionsprinzip, bezieht sich auf
die Wahl der Produktionsmethode und kann unmittelbar verwendet werden, sobald
die Preise der Produktionsmittel gegeben sind. Da unsere Behandlung des allge-
meinen Preisbildungsproblems eben davon ausgeht, daß die Preise der Produktions-
mittel vorläufig als gegeben betrachtet werden können, kann das Substitutions-
prinzip ohne weiteres geltend gemacht werden. Dies gilt besonders auch für den
Fall, daß eine kontinuierliche Substitution eines Produktionsmittels für ein anderes
möglich ist und also das Kriterium, daß die letzten in der Produktion verwendeten,
gegeneinander substituierbaren Mengen der beiden Produktionsmittel denselben
Preis haben, entscheidend ist.
Im Falle, daß mehrere verbundene Produkte in festen Mengenverhältnissen aus
ein und demselben unveränderlichen Produktionsprozeß hervorgehen, haben wir die
Preise dieser sämtlichen Produkte und außerdem noch ihre (arithmetisch feststellbare)
Gesamtmenge als neue Unbekannte in unser Problem einzuführen. Die Lösung des
Problems erfolgt dann nach unserem vierten supplementären Prinzip. Zur Be-
stimmung der Produktpreise haben wir die Gleichungen, welche ausdrücken, daß die
Nachfrage nach jedem dieser verbundenen Produkte bei den angenommenen Preisen
der produzierten Menge desselben entspricht. Außerdem gibt die Notwendigkeit
einer Übereinstimmung zwischen den Produktionskosten des Gesamtprodukts und
dem aus den Preisen der verschiedenen Teilprodukte berechneten Erlös des Gesamt-
produkts eine neue Gleichung. Mit diesen Gleichungen sind die neuen Unbekannten
sämtlich in den Preisen der Produktionsmittel ausgedrückt und das Preisbildungs-
problem kann wie gewöhnlich behandelt werden.
Wenn die relativen Mengen der verbundenen Produkte durch Veränderung der
Produktionsmethode varriiert werden können und also eine gewisse Unbestimmtheit
der Produktionsmethode vorhanden ist, kommt die Bedingung hinzu, daß bei der
herrschenden Preislage keine andere Methode ein größeres Produkt liefern darf. In
dem Falle, wo zwei Teilprodukte einander kontinuierlich verdrängen können, erhält
diese Bedingung die Form, daß die letzten gegeneinander substituierbaren Produkt-
mengen denselben Preis haben sollen. Wir müssen dann zwei neue Unbekannte
einführen, nämlich die Mengen der beiden Produkte, die pro Einheit der Produktions-
kosten produziert werden können. Wir bezeichnen diese Mengen mit x und y. Wir
müssen auch annehmen, daß zwischen diesen Mengen eine gegebene Gleichung
@ (xy) = 0 besteht, die eben ausdrückt, daß eine gewisse Vermehrung der einen
Menge nur durch eine bestimmte Verminderung der anderen gewonnen werden kann.
Wenn x und y vorläufig als gegeben betrachtet werden, läßt sich die Preisbildung
verbundener Produkte in derselben Weise wie oben durchführen: das Verhältnis
der beiden Produktmengen ist dann als gegeben zu betrachten, der Preis des Gesamt-
ergebnisses der Produktion ist gleich eins, da wir eben eine Produktion unter-
suchen, die eine Einheit der Produktionskosten erfordert. Wir brauchen also nur
eine neue Gleichung zur Bestimmung von x und y. Diese neue Gleichung ent-
spricht der Bedingung, daß die letzten gegeneinander substituierbaren Produkt-
7.