$ 20. Das Zurechnungsproblem und das soziale Verteilungsproblem. 161
Produktionsmittel zuzuschreiben ist, nicht dadurch berechnen kann, daß
man ihn gleich der Einbuße setzt, die das Gesamtprodukt durch das
Wegfallen des ganzen betreffenden Produktionsmittels leidet, hat man
versucht, die Einbuße, die durch Entziehung eines kleinen Teils des
Produktionsmittels entstehen würde, der Berechnung des wirklichen
Anteils des Produktionsmittels zugrunde zu legen. Diese Methode ver-
sagt aber offenbar, wenn das Produktionsmittel unteilbar ist oder wenn
ein Teil desselben nicht entzogen werden kann, ohne daß dadurch auch
andere Produktionsmittel in Unwirksamkeit versetzt werden. Das letzte
ist sehr allgemein der Fall. Man kann dann auch nicht die Wirkung
des betreffenden Produktionsmittels in der Weise beurteilen, daß man
diejenige Vermehrung des Produktes, die durch eine kleine Vermehrung
des Produktionsmittels entsteht, mit der Vermehrung des Produktions-
mittels vergleicht, also die sogenannte „‚Grenzproduktivität‘“ (8 13) be-
rechnet. Denn diese ist gleich Null, sobald der Zuschuß zum Produk-
tionsmittel ohne entsprechenden Zuschuß zu anderen Produktions-
mitteln ohne Wirkung bleibt. Gilt es einen Graben zu graben, wird
man durch Einstellung eines neuen Mannes keine merkliche Vermehrung
der Tagesproduktion erzielen, wenn man dem neuen Manne nicht zu-
gleich einen Spaten gibt.
Der Begriff der Grenzproduktivität kann deshalb eigentlich nur
dann verwendet werden, wenn die Produktionsmittel innerhalb ge-
wisser Grenzen in jedem beliebigen gegenseitigen Mengenverhältnis
effektiv zusammenarbeiten können, alsodasbetreffende Produktionsmittel
die übrigen Produktionsmittel ohne Änderung des Produktionsergebnisses
kontinuierlich verdrängen kann. Für diesen Fall1äßt sich, wie wirwissen,
eine Grenzproduktivität des betrachteten Produktionsmittels definieren.
Der Preis desselben muß offenbar in der Gleichgewichtslage gleich
dieser Grenzproduktivität sein, denn sonst würde es wirtschaftlicher
sein, mehr oder weniger von dem betreffenden Produktionsmittel zu
verwenden. Die Grenzproduktivität ist dann atıch ein Maß für den An-
teil des betreffenden Produktionsmittels am Ertrag der Produktion.
Der Begriff der Grenzproduktivität bezieht sich eigentlich nur auf
einen ein einzelnes Produkt herstellenden Produktionsprozeß. Die an-
gedeutete Betrachtung läßt sich also nicht ohne weiteres für die Ver-
teilung des Ertrags der gesamten gesellschaftlichen Produktion auf die
Produktionsfaktoren durchführen. Wenn wir die gesamte Produktion
der Tauschwirtschaft ins Auge fassen, ist es wohl immer möglich, auch
bei kleinen Veränderungen der Mengenverhältnisse der Produktions-
faktoren sämtliche Produktionsfaktoren effektiv zu beschäftigen. Dies
hängt nur zum Teil von einer wirklichen Substitution des einen Produk-
tionsfaktors für den anderen in den verschiedenen technischen Teil-
prozessen, in welche die Gesamtproduktion zerfällt. ab. Im übrigen wird
die vollständige Verwendung der verschiedenen Produktionsmittel in
Cassel, Theoret, Sozialökonomie. 4. Aufl.
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