| Kap. VIII. Der Arbeitslohn,
auch auf diejenige Produktion mit erstreckt, die die Maschinen, An-
lagen usw. herstellt, durch welche. die Handarbeit im betreffenden
Produktionszweig verdrängt werden soll. Ist dies dagegen der Fall,
so muß die Lohnsteigerung den Bedarf an Kapitaldisposition und damit
die Kosten derselben entsprechend steigern. Eine allgemeine und gleich-
mäßige Erhöhung des Arbeitslohns in der ganzen Tauschwirtschaft hat
deshalb jedenfalls nur eine untergeordnete Wirkung in bezug auf die
Möglichkeit einer Substitution von Kapitaldisposition für Arbeit.
(Wäre neben der Kapitaldisposition kein anderer Produktionsfaktor
vorhanden als „Arbeit‘, so würde eine solche Erhöhung offenbar über-
haupt keinen Einfluß auf diese Substitutionsmöglichkeit haben. Die
gedachte Erhöhung würde übrigens dann nur eine Senkung der Kaufkraft
der Geldeinheit bedeuten, da der Preis der Kapitaldisposition, wie wir
wissen, die Gelddimension nicht enthält.)
In Zeiten, wo eine besondere Knappheit am Produktionsfaktor
Arbeit herrscht, wird eine ausgedehnte Substitution von Kapitaldisposi-
tion für Arbeit auch nicht augenblicklich die betreffende Knappheit ver-
mindern, sondern vielmehr durch die unmittelbaren Ansprüche, die die
Produktion von Maschinen und Herstellung von dauerhaften Anlagen
usw. auf Arbeit stellen, noch erschweren. Die für die Substitution von
Kapitaldisposition für Arbeit günstigste Lage ist offenbar die, wo augen-
blicklich ein gewisser Überfluß an Arbeitskraft vorherrscht und also der
Arbeitslohn relativ niedrig ist, wo aber eine steigende Knappheit an
Arbeitskraft und damit eine aufsteigende Bewegung des Arbeitslohns
zu erwarten stehen.
Zum Problem der Konkurrenz zwischen Maschine und Arbeit be-
merken wir noch folgendes, Erfindungen, die die Kapitalanwendung in
Form von Maschinen usw. ergiebiger und deshalb gegen die Handarbeit
konkurrenzfähiger macht, wirken offenbar zunächst in den berührten
Produktionszweigen als eine relative Vermehrung der Nachfrage nach
Kapitaldisposition und relative Verminderung der Nachfrage ‘nach
Arbeit, deshalb auch als eine Tendenz zur Herabsetzung des Arbeits-
lohns innerhalb der betreffenden Berufe. Gleichzeitig werden aber die
Preise der Produkte meistens stark herabgesetzt, wodurch die Nach-
frage nach ihnen gesteigert wird. Diese Steigerung kann so weit gehen,
daß auch die Nachfrage nach der betreffenden Arbeit absolut gesteigert
wird, was natürlich eine Tendenz zu Steigerung des Arbeitslohns be-
deutet.
Anderseits bewirkt auch der angenommene technische Fortschritt
eine Steigerung der Gesamtproduktion der Gesellschaft und damit eine
Steigerung ihres Gesamteinkommens. Daraus ergibt sich eine all-
gemeine Steigerung der Nachfrage nach Arbeit. Wenn diese Nach-
irage auf alle Arten von Arbeit verteilt wird, zieht die Arbeiterklasse
im ganzen einen Vorteil aus dem technischen Fortschritt. Zweifelhaft
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