Full text: Theoretische Sozialökonomie

. Kap. I. Die Wirtschaft im allgemeinen. 
die fortschreitende Wirtschaft zu untersuchen, ist es aber noch immer 
notwendig, unseren Untersuchungen möglichst vereinfachte Voraus- 
setzungen zugrunde zu legen. 
Zunächst haben wir festzustellen, was unter ‚Fortschritt‘ zu ver- 
stehen ist. Dieser Ausdruck soll wie unsere ganze wirtschaftswissen- 
schaftliche Terminologie eine vollständig ungefärbte, möglichst rein 
quantitative Bedeutung haben. Ob eine quantitative Vergrößerung der 
Wirtschaft und speziell der Produktion auch von einem tieferen ethischen 
oder ästhetischen Gesichtspunkt als wirklicher Fortschritt anerkannt 
werden kann, ist wohl an sich eine interessante und praktisch wichtige 
Frage, die aber nicht zu der Domäne der reinen theoretischen Ökonomie 
gehört und deshalb hier außer Betracht gelassen werden muß. Es ist 
gut, daß dieses Prinzip für die Begrenzung der uns vorliegenden Auf- 
gaben vom Anfang an mit völliger Klarheit anerkannt wird. Der Fort- 
schritt ist also hier lediglich in quantitativem Sinne als eine in einer 
gesteigerten Produktion zutage tretende Bewegung aufzufassen. 
Eine allgemeine Ursache zu einem Fortschritt in diesem Sinne ist 
die Volksvermehrung. Soll eine Bedürfnisbefriedigung für eine ver- 
mehrte Bevölkerung in unverändertem Umfang möglich sein, muß offen- 
bar eine entsprechende Steigerung der Produktion stattfinden. Es ist 
denkbar, daß dabei die Produktion in unveränderten Bahnen, mit den- 
selben Methoden fortgesetzt wird, und daß der Fortschritt also ledig- 
lich in einem stets im Verhältnis zum Bevölkerungszuwachs erweiterten 
Umfang der Produktion besteht. Bei konstanter Bevölkerung muß der 
wirtschaftliche Fortschritt in einer Steigerung der Produktion pro Kopf, 
also in einer verbesserten Bedürfnisbefriedigung hervortreten. Eine 
solche Steigerung kann wohl bis zu einem gewissen Grade durch Er- 
höhung der quantitativen Arbeitsleistung pro Person ermöglicht werden. 
Offenbar sind aber für eine solche Entwicklung sehr enge Grenzen ge- 
zogen. Ein stetiger Fortschritt ist bei konstanter Bevölkerung nur dann 
möglich, wenn die Produktionsmethoden unaufhörlich verbessert wer- 
den. Dabei wird aber der ganze Produktionsprozeß, in den meisten 
Fällen auch die Zusammensetzung der Bedürfnisbefriedigung, immer 
wieder verändert. Der Fortschritt ist dann eine ziemlich komplizierte 
Erscheinung, und die vereinfachende Voraussetzung der Gleichmäßig- 
keit des Fortschritts stößt, jedenfalls in dem gegenwärtigen Stadium 
unserer Untersuchung, auf gewisse Schwierigkeiten. Wollen wir eine 
möglichst einfache Form des wirtschaftlichen Fortschritts betrachten, 
so haben wir den Fall ins Auge zu fassen, wo die Produktion in unver- 
änderten Bahnen und mit der gleichen Arbeitsleistung des einzelnen 
fortgeführt und somit lediglich in demselben Verhältnis wie die Be- 
völkerung vergrößert wird. Setzen wir dabei außerdem noch einen 
gleichmäßigen Bevölkerungszuwachs voraus, so haben wir den einfach- 
sten Fall einer gleichmäßig fortschreitenden Wirtschaft. Ist das jährliche 
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