4. Kap. XI. Der Geldwert.
die auf die Festlegung irgendeines anderen Preises zielte, ein ähnliches
Ergebnis erteichen könnte. Als solches Ziel der Zinspolitik würde vor
allem in Betracht kommen die Festlegung eines in bestimmter Weise
definierten Durchschnitts einer gewissen Gruppe von Warenpreisen
oder, was gleichbedeutend ist, die Festlegung des Gesamtpreises einer
bestimmten Warenmenge. Durch eine angemessene Zinspolitik müßte
es also möglich sein, ein Preisniveau mit sekulären Variationen in
umgekehrter Proportion zu den Wertveränderungen dieser Warenmenge
im Verhältnis zur Gesamtheit der Waren zu erhalten.
Bei Wahl einer hinreichend repräsentativen Warenmenge könnten
solche Wertveränderungen nicht in beträchtlichem Umfange stattfinden,
und es wäre also möglich, durch geeignete Leitung der Zinspolitik das
allgemeine Preisniveau insofern zu stabilisieren, daß keine sekulären
Variationen vorkämen. Jährliche Variationen des allgemeinen Preis-
niveaus würden wohl dabei ebensowenig wie im Falle der Goldwährung
vermieden werden können. Die nominale Festlegung des Preises der
Warenmenge würde den Konjunkturbewegungen des allgemeinen Preis-
niveaus gegenüber nicht durchgeführt werden können, da das Mittel,
das für den entsprechenden Zweckeim Falle der Goldwährung verwendet
wird, nämlich die Hergabe von Gold aus den Bankreserven und die
teilweise Befriedigung der Goldnachfrage durch Ersatzmittel hier nicht
zur Verfügung stehen würde.
Wenn wir das, was im vorigen Kapitel über die Wirkung des
Bankzinses als Regulator der Zahlungsmittelversorgung gesagt wurde,
mit dem Ergebnis dieses Kapitels zusammenstellen, können wir- die
Frage beantworten, auf welchem Wege das allgemeine Preisniveau
vom Bankzins beeinflußt wird. Eine Senkung des Zinsfußes der Banken
bedeutet eine abnorme Konkurrenz der Banken auf dem Kapital-
markt, indem neu geschaffene Bankzahlungsmittel mit den wirklichen
Ersparnissen des Publikums in Wettbewerb treten. Die durch die
günstigen Bedingungen gesteigerte Nachfrage nach Kapitaldisposition
wird zum Teil einfach durch Hergabe von neugeschaffenen Bankzahlungs-
mitteln befriedigt. Dadurch wird eine Extra-Kaufkraft geschaffen, der
gegenüber keine Vermehrung dessen, was gekauft werden kann, steht.
Diese Kaufkraft konkurriert mit der echten Kaufkraft auf dem Markt.
Die unvermeidliche Folge ist dann eine Preissteigerung, die soweit
gehen muß, daß die gesamte nominelle Kaufkraft vollständig in An-
spruch genommen wird. Durch diese Preissteigerung wird Platz be-
reitet für eine gewisse Menge von neuen Bankzahlungsmitteln, die dann
vom Verkehr festgehalten werden.
Diese Erwägungen führen zu einer endgültigen Entscheidung
einer Streitfrage, die seit alters her eine zentrale Stellung in der geld-
politischen Diskussion eingenommen hat. Gegen die Quantitätstheorie
wurde nämlich immer von den Banken gerne geltend gemacht, daß eine
46