Full text: Theoretische Sozialökonomie

860. D. Ausgleich d. Zahlungsbilanz. Erster Fall: Freie unabhäng. Währungen. . 457 
ursprüngliche Darlehen. Er wird also keinen Vorteil von der gesteigerten 
Produktivität haben, er wird relativ zurückgesetzt. Der ganze Vorteil 
fällt dann dem Geldnehmer zu, der, falls er, wie meistens, ein Produzent 
ist, von der gesteigerten Produktivität bei unveränderten Produkten- 
preisen direkt profitiert oder, falls er z. B. ein Staat ist, der für Kon- 
sumtivzwecke leiht, seine finanzielle Kraft durch das steigende Volks- 
einkommen gesteigert sieht. Sinken dagegen die Warenpreise in dem- 
selben Tempo, wie die Produktivität steigt, so bekommt der Geldgeber 
seinen Anteil! an der gesteigerten Produktivität, während der Geld- 
nehmer in bezug auf das Darlehn keinen Nutzen von der gesteigerten 
Produktivität hat. 
Welche Alternative vorzuziehen ist, oder ob ein Mittelweg gewählt 
werden soll, ist eine Frage, in der große Interessen einander gegen- 
überstehen, und auf welche eine Deduktion von einer abstrakten Ge- 
rechtigkeit keine Antwort geben kann. Der entscheidende Gesichtspunkt 
muß unter solchen Umständen die Wohlfahrt der Gesamtheit sein. Nun 
kann es keinem Zweifel unterliegen, daß ein Geldsystem mit konstantem 
Preisniveau für die Entwicklung des Wirtschaftslebens ungleich günstiger 
ist als ein Geldsystem, wo immer mit einem Sinken der Warenpreise zu 
rechnen ist, das wohl unvermeidlich eine gewisse hemmende Wirkung 
auf die Produktion ausüben muß. Im gemeinsamen Interesse aller 
Beteiligten von einem möglichst blühenden Wirtschaftsleben dürfte 
also ein unveränderlicher Geldwert entschieden vorzuziehen sein. Daztı 
kommt natürlich, daß die Regulierung des allgemeinen Preisniveaus in 
hohem Grade erschwert ist, sobald man sich ein anderes Ziel als die 
Aufrechterhaltung eines unveränderten Preisniveaus setzt und auch ein 
Sinken des Preisniveaus in gewissem Verhältnis zur steigenden Pro- 
duktivität erreichen will. Denn es muß dann in jedem Augenblick fest- 
gestellt werden, wie stark die augenblickliche Steigerung der Pro- 
duktivität ist, was natürlich eine sehr schwierige Aufgabe ist. 
Zwölftes Kapitel. 
Die internationalen Zahlungen. 
8 60. Der Ausgleich der Zahlungsbilanz. 
Erster Fall: Freie unabhängige Währungen. 
Bisher haben wir in unseren Betrachtungen die internationalen 
Zahlungen meistens beiseite gelassen und unsere Aufmerksamkeit auf 
die Aufgaben und die Stellung des Geldes innerhalb der Volkswirtschaft 
konzentriert, dies sowohl wegen der Vereinfachung der Geldtheorie,
	        
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