Full text: Theoretische Sozialökonomie

62 Kap. III. Das wirtschaftliche Prinzip in der Tauschwirtschaft. 
duelle Bedürfnisbefriedigung von einer Zwangsorganisation über- 
nommen wird, und wo also kein Platz für die Ordnung des individuellen 
Verbrauchs durch Einzelwirtschaften gelassen ist. Man nennt eine 
solche Gesellschaft eine kommunistische. Die Familie stellt in der 
heutigen Wirtschaftsordnung in gewissem Sinne eine kommunistische 
Wirtschaft dar, Den Namen kommunistische Gesellschaft oder Wirt- 
schaftsordnung müssen wir jedoch einer etwas größeren Geseilschaft 
vorbehalten, die wenigstens in der Hauptsache eine geschlossene Wirt- 
schaft mit einheitlicher Regulierung der ganzen Konsumtion bildet. Bei- 
spiele solcher kommunistischen Gesellschaften hat man in kommunisti- 
schen Kolonien, vorwiegend religiöser Art, die von Zeit zu Zeit ge- 
gründet worden sind und in einigen Fällen ziemlich lange bestanden 
haben, meistens aber schnell der Auflösung verfallen sind. 
Den Gegensatz zu einer solchen kommunistischen Wirtschaftsord- 
nung bildet die Tauschwirtschaft, die, wie schon in $ 7 ausgeführt, eben 
durch die Existenz selbständiger privater Konsumtionswirtschaften mit 
freier Wahl der Bedürfnisbefriedigung innerhalb der ihnen zur Ver- 
fügung stehenden Geldmittel wesentlich charakterisiert wird. Es kann 
keinem Zweifel unterliegen, daß die zivilisierte Menschheit diese freie 
Wahl der Bedürfnisbefriedigung für die einzelne Person oder für die 
Familie sehr hoch schätzt. Wohl kommt ein Eingreifen der kollektiven 
Wirtschaft auf dem Gebiete der individuellen Bedürfnisbefriedigung, 
wie schon hervorgehoben, in der Form vor, daß gewisse Nützlichkeiten, 
wie z. B. Bäder und Bücher, umsonst oder zu herabgesetztem Preis ge- 
wissen Klassen zur Verfügung gestellt werden. Es handelt sich hier 
aber nur um Ausnahmefälle, die nicht als wesentliche Beschränkung der 
freien individuellen Konsumtion aufgefaßt werden. Die freie Kon- 
sumtionswahl der Einzelwirtschaft muß sicher als eins der allerwesent- 
lichsten Elemente unserer Wirtschaftsordnung betrachtet werden. 
Unsere Wirtschaftsordnung ist in ihrem innersten Wesen der Gegensatz 
zum Kommunismus, / 
Unsere Aufgabe ist nun zu untersuchen, wie_das Problem der not- 
wendigen Beschränkung der Bedürfnisbefriedigung in der Tauschwirt- 
schaft gelöst wird. Wir behandeln in diesem Paragraphen zunächst den 
sehr vereinfachten theoretischen Fall, daß die der unmittelbaren Bedürf- 
nisbefriedigung dienenden Güter in bestimmten Mengen vorhanden sind 
oder vielmehr, da die Versorgung der Gesellschaft mit Gütern nur durch 
einen fließenden Strom, nicht durch einen gegebenen Vorrat möglich ist, 
innerhalb eines gewissen Zeitraums in bestimmten Mengen zur Ver- 
fügung stehen. Jede dieser Mengen werden wir als das Angebot des 
betreffenden Gutes bezeichnen. Die Voraussetzung dieses Paragraphen 
ist die, daß das Angebot bei jedem der unmittelbaren Bedürfnisbefriedi- 
gung dienenden Güter eine gegebene Größe des Problems ist. Wir 
schließen damit für den Augenblick alle jene schwierigen Fragen aus, die
	        
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