$ 11. Die Beschränkung der Bedürfnisse. Il. P
kleinen Veränderung des Preises hervorgerufen wird, gemessen werden.
Die Elastizität der Nachfrage ist sehr verschieden für verschiedene
Güter und Personen. Wenn ein Bedürfnis bis zur Sättigung befriedigt
ist, wird die Elastizität der Nachfrage gleich Null. Eine kleine Sen-
kung des Preises wird dann keine Steigerung des Verbrauchs veran-
lassen. Die Elastizität ist natürlich auch gleich Null, wenn der Preis so
hoch steht, daß er für die betreffende Wirtschaft sowieso unerschwing-
lich ist; eine kleine Preissenkung ist dann nicht imstande, eine Nach-
frage zu erwecken. Wenn ein Bedürfnis zum Teil befriedigt ist, wird
eine kleine Herabsetzung des Preises vielleicht eine ebenso große pro-
zentische Steigerung der Nachfrage hervorrufen oder die Steigerung der
Nachfrage wird verhältnismäßig stärker oder schwächer als die Preis-
senkung sein. Im ersten Falle ist die Elastizität gleich eins, in den
anderen Fällen ist sie größer oder kleiner als eins. Wenn die Elastizität
gleich eins ist, ist offenbar die Gesamtausgabe zur Befriedigung des be-
treffenden Bedürfnisses unabhängig von kleinen Schwankungen des
Preises. Ist dagegen die Elastizität kleiner als eins, wird die Gesamt-
ausgabe mit einer Preissteigerung erhöht, mit einer Herabsetzung des
Preises vermindert. Wenn die Bedürfnisbefriedigung nahe an dem Sät-
tigungspunkt steht, ist die Elastizität meistens kleiner als eins. Der
Brotkonsum einer durchschnittlichen Arbeiterfamilie wird nicht mit
demselben Prozentsatz abnehmen, mit welchem der Brotpreis in einem
Teuerungsjahr eventuell gestiegen ist, und auch nicht bei fallendem
Preis ebenso schnell steigen; der Brotbedarf ist eben als eine primäre
Notwendigkeit bei gewöhnlichen Preisen nahezu gesättigt und muß bei
kleineren Schwankungen des Brotpreises so bleiben. Die Gesamtaus-
gabe der Familie für Brot wird demnach nahezu ebenso große Schwan-
kungen wie der Preis zeigen. Das Wohnungsbedürfnis ist schon für
große Klassen der modernen Gesellschaft bedeutend elastischer. Die
Elastizität dürfte hier zuweilen sogar der Ziffer eins nahe kommen, was
darin zutage treten würde, daß eine Familie bei höheren oder niedri-
geren Mietpreisen ebensoviel für Wohnung ausgeben würde. Eine
Elastizität größer als eins kommt nur relativ selten und nur für ver-
hältnismäßig entbehrliche Bedürfnisse vor. In solchen Fällen wird die
Gesamtausgabe eines Konsumenten für das betreffende Bedürfnis bei
einer Preissenkung gesteigert. Eine Person kann z. B. durch Herab-
setzung des Fahrgeldes der Eisenbahnen veranlaßt werden, insgesamt
mehr für Eisenbahnreisen auszugeben, als bei den früheren höheren
Fahrpreisen.
Die Elastizität der Nachfrage der einzelnen Haushaltungen nach
einem Gute bestimmt die Elastizität der Gesamtnachfrage der ganzen
Tauschwirtschaft nach demselben Gute. Hier ist nur besonders zu be-
achten, daß eine Herabsetzung des Preises nicht nur eine Steigerung
der Nachfrage, wo eine solche schon vorhanden war, veranlassen kann,
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