Full text: Theoretische Sozialökonomie

74 Kap. IIl. Das wirtschaftliche Prinzip in der Tauschwirtschaft, 
der Güter für die ärmeren Klassen nur teilweise und für ausgewählte 
Güter durchgeführt, so würde dies auf ein Eingreifen in die freie Kon- 
sumtionswahl der ärmeren Klassen hinauskommen. Dies'streitet gegen 
das allgemeine Prinzip der Tauschwirtschaft, nach welchem die Ver- 
teilung der dem Verbrauch zur Verfügung stehenden Mittel auf ver- 
schiedene Zweige der Bedürfnisbefriedigung der Einzelwirtschaft über- 
lassen wird. Es fehlt allerdings nicht an Versuchen, besonders seitens 
der öffentlichen Körperschaften, gewisse Güter den ärmeren Volks- 
klassen zu herabgesetztem Preis oder gar umsonst darzubieten. Solche 
Versuche gehen aber, wie oben schon bemerkt, von einer der Tausch- 
wirtschaft fremden Anschauung aus, sind ihrem. Wesen nach kommu- 
nistischer Natur. Gleichzeitig finden wir die Bestrebungen, gewisse 
andere Güter, wie z. B. Branntwein, durch Besteuerung zu verteuern in 
der Absicht, die Konsumtion derselben zu vermindern. Wir haben es hier 
durchweg mit einer Art Vormundschaft über die Konsumtionswahl der 
Einzelwirtschaft zu tun, einer Vormundschaft, über deren praktischen 
Wert wir uns hier nicht zu äußern haben, von welcher wir aber be- 
haupten können, daß sie nicht im Wesen der Tauschwirtschaft liegt, 
und von welcher wir folglich bei einer ersten Untersuchung, die die 
wesentlichen Züge der Tauschwirtschaft klarzulegen hat, abstrahieren 
dürfen. 
Die gleichförmige Preisbildung ist die spezielle..Art, in welcher 
die typische Tauschwirtschaft den Begriff der „wirtschaftlichsten‘‘ An- 
wendung der zur Verfügung stehenden Güter bestimmt. Dieses tat- 
sächliche Verhältnis wollen wir unseren folgenden Untersuchungen zu- 
grunde legen. 
$ 12. Die Regulierung der Produktion. Prinzip der 
Knappheit. 
Wir haben uns im vorigen Paragraphen die zur Verfügung stehen- 
den Mengen der verschiedenen Güter als von vornherein gegeben und 
fixiert gedacht. Diese Voraussetzung wollen wir jetzt fallen lassen. 
Sie entspricht nicht der Wirklichkeit, denn, da die meisten Güter pro- 
duziert werden können, werden die Mengen der verschiedenen fertigen 
Güter, die den Konsumenten angeboten werden, im allgemeinen von 
der Leitung der Produktion abhängen. Die vorhandenen Produktions- 
mittel können nämlich meistens für sehr verschiedene Zwecke benutzt 
werden, und damit kann auch die Versorgung der Konsumtion sehr ver- 
schieden ausfallen. Dafür wollen wir jetzt die Voraussetzung machen, 
daß die verschiedenen elementaren Produktionsmittel, d. h. die- 
jenigen Produktionsmittel, die nicht selbst durch Produktion vermehrt 
werden können — wir werden dieselben im folgenden kurz nur als „Pro-
	        
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