$& 12. Die Regulierung der Produktion. Prinzip der Knappheit. 79
haften Politik oder einer mangelhaften Organisation unserer Volks-
wirtschaft verurteilt oder als höchstens bis auf weiteres zu duldende
Nothilfsmaßnahmen aufgefaßt.
Diese Darstellung genügt wohl, um einen ersten Überblick über
die Natur des Preisbildungsprozesses zu geben. In Wirklichkeit ist
aber der Zusammenhang nicht ganz so einfach. Die Produktionsmittel,
die heute vorhanden sind und nachgefragt werden, dienen nämlich
meistens nicht der heutigen Bedürfnisbefriedigung, sondern einer künf-
tigen. Der Zusammenhang zwischen den Preisen der heute fertigen
Güter und den Preisen der heutigen Produktionsmittel ist also kein
direkter, beruht überhaupt nur auf der Bedingung, die wir an unsere
Tauschwirtschaft stellen, daß sie sich im Gleichgewicht befinden soll,
daß also sämtliche Preise, solange dieses Gleichgewicht aufrechterhalten
wird, unverändert bestehen bleiben, und daß folglich besonders für
die fertigen Güter die künftigen Preise mit den heutigen überein-
stimmen.
Die Analyse des vorliegenden Problems muß aber immer eine solche
Gleichgewichtslage zu ihrem Gegenstand machen. Denn die allgemeine
Theorie der Preisbildung kann doch nichts anderes sein als eine Fest-
stellung der Bedingungen, welche notwendig sind, damit die in einem
gegebenen Augenblick bestehenden Preise unverändert bleiben. Eine
solche Gleichgewichtslage ist aber denkbar sowohl in der stationären
wie in der gleichmäßig fortschreitenden Wirtschaft. Der erste Fall
ist natürlich bei weitem der einfachere; aber auch der zweite muß mit
in Betracht gezogen werden, wenn wir über die Preisbildung in einer
Wirtschaft ‚mit Kapitalbildung Klarheit gewinnen wollen.
In der stationären Wirtschaft bleibt die Nachfrage unverändert und
wird auch immer in demselben Grade durch die konstanten Preise der
fertigen Güter begrenzt. Es mag dann bei einem ersten Überblick
über das Preisbildungsproblem berechtigt sein, von der Nachfrage nach
fertigen Gütern als einer indirekten Nachfrage nach Produktionsmitteln
zu sprechen, ohne dabei die zeitliche Bestimmung dieser Nachfrage
näher zu charakterisieren. Will man aber genau sein, muß man die
stationäre Tauschwirtschaft als einen fortdauernden Prozeß betrachten
und die Bedingungen für die Unveränderlichkeit dieses Prozesses fest-
stellen. Da finden wir, daß ein stetiger Strom von elementaren Pro-
duktionsmitteln der Produktion zugeführt wird, und daß anderseits mit
Hilfe derselben die Produktion einen stetigen Strom von fertigen
Gütern an die Konsumenten abliefert, und daß dieser ganze Prozeß im
Umfang konstant bleibt. Auf die elementaren Produktionsmittel werden
gleichförmige Preise gesetzt. Diese Preise bleiben unverändert. Auf
Grund derselben werden die Preise der fertigen Güter berechnet. Diese
Preise, welche auch konstant bleiben, bestimmen die Nachfrage nach