vornherein nur solche Kandidaten zulassen kann, die über ein genügendes
Maß dieser beiden Fähigkeiten verfügen.
Psychologisch richtig ergibt sich der Aufbau wie folgt: Das Feilen
wird zerlegt in die eigentliche Bewegung, Führen der Feile noch ohne
Drücken und dann in die richtige Verteilung des Druckes. Diese Zergliederung
nach den zur Anwendung kommenden Fähigkeiten erlaubt
das sukzessive Einüben der den einzelnen Fähigkeiten entsprechenden
Fertigkeiten. Dadurch wird ein Grundprinzip der Pädagogik respektiert,
daß auf einmal nur eineneue Funk tion geübt werden soll.
Darum geht das Anlernen auf diese Weise viel rascher vor sich, als nach
den althergebrachten Methoden.
Zuerst wird also der Lehrling angeleitet, nur die Bewegung als solche
auszuführen ohne jegliche Druckausübung. Damit diese Bewegung von
Anfang an richtig, das heißt horizontal verläuft, wird zunächst eine
breite Unterlage verwendet. Der Lehrling fühlt dabei sofort, wenn er
die richtige Ebene verläßt. Ueberdies wird er jedesmal noch vom Lehrmeister
darauf aufmerksam gemacht. Der letztere muß die Aufmerksamkeit
und das Interesse des Lehrlings solange auf das Gefühl der Bewegung
lenken, bis der Jüngling ganz bei seiner Aufgabe ist. So wird
10, 20, 30 Minuten lang geübt, bis die richtige Bewegung tatsächlich da
ist und sich zugleich eine leichte Gewöhnung gebildet hat.
Sobald die Sicherheit der Bewegung genügend groß geworden ist,
muß der Lehrling allmählich mit dem Drücken beginnen, zuerst mit beiden
Händen gleichmäßig in ‚der Mittellage der Feile, wo auch beim
fertig erlernten Feilen der Druck am größten sein muß. Von hier aus
wird das Drücken von der Mitte aus nach beiden Seiten erweitert, wobei
der Druck der einen Hand anfangs noch gleich bleiben kann. während
der der anderen allmählich kleiner oder größer werden muß, je nachdem
der Bewegungsteil vor oder nach der Mitte ins Auge gefaßt wird.
Dieses Verfahren hat den Vorteil, daß sich die ‚beiden Hände allmählich
an individuell verschiedene Eindrücke und Tätigkeiten gewöhnen.’
Mit wachsender Sicherheit wird der Druck auf den ganzen Feilenzug
verteilt. So bildet sich das eigentliche Feilen allmählich heraus.
Während der ganzen Zeit hat der Lehrmeister darauf zu achten,
daß die horizontale Bewegung unter keinen Umständen verlassen wird.
Wenn’ am Anfang oder am Ende des Feilenzuges: ein Kippen der Feile
vorkommt, muß der Lehrling angehalten werden, weniger stark zu drükken
zugunsten der korrekten horizontalen Bewegung.
Auf jeder Stufe der Instruktion wird in dieser Weise weiter geübt,
bis die betreffende Bewegung ganz korrekt und schon so weit zur Gewohnheit
geworden ist, daß sie sich in der nächsten, etwas schwierigeren
Manipulation von selber erhält und weiter übt. ‚Ein Zurückfallen
in Unexaktheit darf dabei nicht stattfinden. Immerhin darf auf einer
Stufe nicht so lange verweilt werden, daß der Lehrling bis zum gedan-5