Full text: Die Staatsausgaben von Großbritannien, Frankreich, Belgien und Italien in der Vor- und Nachkriegszeit

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Zum Elementarunterricht gehören auch die Unterrichtsanstalten für Taubstumme und die staatlichen 
Erziehungsanstalten (Convitti Nazionali). In beiden Etatjahren stellen die Staatsausgaben nur einen 
Teil der für diese Zwecke gemachten Aufwendungen dar, die im übrigen von privaten und kirchlichen 
Wohlfahrtseinrichtungen aufgebracht werden. In der Nachkriegszeit hat sich der Staat, wenn auch zunächst 
mit bescheidenen Mitteln, dem Unterricht der Anormalen zugewandt, für den ebenfalls private und kirch- 
liche Wohltätigkeit ergänzend aufkommen. Die wenig veränderten staatlichen Ausgaben für Kinder- 
gärten stellen.einen Zuschuß zu privaten Einrichtungen dieser Art dar. Der im Vorkriegsetat aufgeführte 
Zuschuß an private Fortbildungsschulen erscheint im Nachkriegsetat nicht mehr; ob er infolge der Ein- 
führung öffentlicher Fortbildungsschulen nach der Reform in Fortfall gekommen ist, war nicht sicher 
festzustellen. Eine weitere Neuerung ist das durch Gesetz vom 28. August 1921 geschaffene Komitee 
zur Bekämpfung des Analphabetentums ( Comitato dell’ Opera contro U Analfabetismo). 
Staatliche Unterrichtsausgaben. 
Vorkriegs- Nachkriegsetat 
etat Original- Vorkriegs- 
ziffern kaufkraft 
v in 1000 Lire 
Elementarunterricht 
Öffentliche Elementarschulen ....... 54052 747 797 149 559 
Conwvitti Nazionali ........+1000++ 004 2 885 8 301 1 660 
Taubstummen-Anstalten ..........+ 232 2911 582 
Schulen für Anormale ............+. ; 530 106 
Fortbildungsschulen ..........+0+0+++ 781 . : 
Kindergärten ..........0.00000014 000 916 5 700 1140 
Bekämpfung des Analphabetentums. . 8 000 1 600 
Höherer Unterricht 
G Ce zn A ran en BOT 
Yechuische Schulen 0.0.1 Heer 15889 } Wi OS 
Gemeinsame Ausgaben’) 
Turnunterricht .. 144.000 He 1541 (84) (17) 
Stipendien .............07.000000 HH 209 2694 539 
Teuerungszulagen ......0..0000+4100 — 39 585 7917 
Insgesamt .,.. 89038 980 896 196 179 
Höherer Unterricht. 
Der höhere Unterricht (Istruzione Media) ist in Italien schwer zu übersehen, da zu ihm viele Anstalten 
gerechnet werden, die in starkem Maße den Charakter von Fach- und Berufsschulen tragen. Man unter- 
scheidet klassischen (Istruzione Classica) und technischen Unterricht (Istruzione Tecnica). Der klassische 
Unterricht, der als Vorbereitung für das Universitätsstudium gilt und den Besuch von 4 Elementar- 
schulklassen voraussetzt, zerfiel vor der Reform in zwei Stufen, das fünfklassige Gymnasium (Ginnasto) 
und das anschließende dreiklassige Lyzeum (Liceo). Seit der Reform wird der gesamte höhere Unter- 
richt in einen solchen erster und zweiter Stufe eingeteilt. Gymnasium und Lyzeum bleiben für den klas- 
sischen Unterricht bestehen, ersteres mit einer weiteren Unterteilung. 
Der technische Unterricht gilt als Vorbereitung für bestimmte Zweige des Staatsdienstes und bestimmte 
wirtschaftliche Berufe; ein Übergang vom technischen zum klassischen Unterricht ist nach dem Lehr- 
plane unmöglich. Der Unterricht erfolgte in 7- bzw. nach der Reform 8-klassigem Unterricht in der Scuola 
Tecnica und dem Istituto Tecnico. Die technischen Schulen sind, obwohl sie spezielle Berufsvorbildung ver- 
mitteln, in der Aufarbeitung aus Vergleichsgründen zu den höheren Schulen gestellt worden, da sich im 
Nachkriegsetat die staatlichen Aufwendungen dafür nicht aus denjenigen für den übrigen höheren Unter- 
richt ausgliedern ließen. (Näheres über ihren Aufbau s. S. 283 unter Fachunterricht.) 
Eine Sonderstellung unter den höheren Schulen der Unterstufe nimmt die Ergänzungsschule (Scuola 
Complementare) ein, die mit einer Abgangsprüfung schließt, ohne in einer anderen höheren Schule ihre 
Fortsetzung zu finden. Zu den höheren Schulen der Oberstufe gehören Liceo Seientifico und Liceo Feminile. 
Ersteres setzt den Besuch von mindestens 4 Unterstufenklassen einer höheren Schule voraus und dient 
zur Vorbereitung von Medizinern und anderen Wissenschaftlern. Das dreiklassige Liceo Feminile ist für 
die Ausbildung von Mädchen bestimmt, die weder die Universität besuchen noch irgend ein Diplom er- 
langen wollen. Im übrigen stehen auch alle anderen höheren Schulen den Mädchen offen. 
1) Ein Teil der gemeinsamen Ausgaben der Übersichten (S. 2581) ist schätzungsweise aufgeteilt 
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