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Zentralverwaltung auf die Handelsmarine entfallen müßte, zu hoch erscheint. Dasselbe gilt für den Anteil,
der auf die Bergbauabteilung (Mines Department) des Board of Trade entfallen müßte; diese Abteilung
wird, da ihre Tätigkeit überwiegend sozialpolitischen Charakter trägt, bei » Soziale Aufgaben« (Ge-
werbeaufsicht) behandelt. Das Bankruptey Department und das Companies Department, die organisatorisch
zum Board of Trade gehören, wurden ihrer vorwiegend juristischen Funktionen wegen im Kapitel
»Rechtspflege« verarbeitet.
2. Industrie und Handel im allgemeinen.
Finanzielle Aufwendungen für Industrie und Handel im allgemeinen kamen vor dem Kriege in Groß-
britannien überhaupt nicht vor; 1925/26 sind folgende Posten zu erwähnen:
Original- Vorkriegs-
ziffern kaufkraft
in 1000£
Sachverständigenkomitee zur Durchführung des Trade Facilities Act.... 10 6
Zinszahlungen auf Grund des Trade Facilities Act (Finamce Accounts
1024/25) en N 5 2
Staatszuschuß auf Grund des Abkommens mit der Australian Zine
Producers Proprietary Association Lid.) ...........0. 00 14 ++
Insgesamt.... 274 161
Es handelt sich bei den beiden ersten Posten um finanzielle Auswirkungen des am 10. November 1921
erlassenen Trade Facilities Act, nach dem die britische Regierung die Garantie für Zinsen und Kapital
von Anleihen übernahm, die von Industrie- und Verkehrsunternehmungen der verschiedensten Branchen
zu Investierungszwecken aufgenommen werden. Der Leitgedanke dieses Gesetzes ist die Förderung des
Absatzes der britischen Industrie im In- und Auslande. So ist auch zu erklären, daß diese typische
Eventualsubvention zum Teil ausländischen Firmen zugute kommt. In solchen Fällen wurde im Garantie-
vertrage in der Regel festgesetzt, daß zur Durchführung der durch die aufgenommene Anleihe finanzierten
Investierungen ausschließlich britische Lieferfirmen herangezogen werden sollten. Der Trade Facilities Act
wirkt also nach zweierlei Richtung und auf zweierlei Weise: für die emittierende Firma bedeutet die
Staatsgarantie eine Eventualsubvention; für die Lieferindustrie liegt darin ebenfalls eine — allerdings
nicht zahlenmäßig zu erfassende — Begünstigung insofern, als ihr dadurch Aufträge zugeführt werden.
Effektive Lasten aus diesem Gesetze traten zum ersten Male 1923/24 auf, und zwar handelte es sich
damals um rund 4400 £. Die finanzwirtschaftliche Bedeutung der auf Grund des Gesetzes seitens der
britischen Regierung übernommenen Verpflichtung ist indessen viel größer, als es nach diesen geringen
Effektivleistungen der ersten Jahre erscheinen könnte.
Die Schiflbauindustrie hat nach den folgenden Übersichten aus dem Trade Facilities Act den größten
Nutzen gezogen. Teilweise kam sie direkt in den Genuß der staatlichen Anleihegarantie, teilweise wurde
diese Garantie an Schiffahrtsgesellschaften gegeben, die verpflichtet waren, ihrerseits die Aufträge an
die britische Schiflbauindustrie weiterzugeben. Die Urteile über die Wirkung der staatlichen Garantie-
übernahme auf die wirtschaftliche Lage der Schiffbauindustrie gehen sehr auseinander.
Der Ende März 1921 eingesetzte Ausschuß zur Untersuchung der britischen und festländischen Schiff-
bauindustrie ist in seinem im Oktober 1925 veröffentlichten Bericht und dem im Juni 1926 erschienenen
Schlußbericht zu dem Ergebnisse gekommen, daß die Staatsgarantie auf Grund des Trade Facilities Act
auf die Beschäftigung der Werftindustrie günstig gewirkt hätte. Er tritt für die weitere Beibehaltung
der Garantieibernahme ein, Andere Meinungen gehen dahin, daß durch die Subventionierung der Werft-
industrie die Wirtschaftlichkeit in der Schiffbauproduktion beeinträchtigt und durch die Überproduktion
und das daraus resultierende Überangebot an Schiffsraum die Lage auf dem Frachtenmarkt verschärft
worden sei. Kennzeichnend für die Beurteilung der Staatsgarantie ist, daß von einer Ende 1925 emittierten
Anleihe der Blue Star Line in Höhe von 2750 000 £ (zu 5 vH, Emissionskurs 100 vH) trotz der Staats-
garantie nur 20 vH des Anleihebetrages untergebracht werden konnten; 80 vH mußten die Bürgschafts-
gruppen selbst übernehmen.
Das gleiche Schicksal hatte eine unter denselben Bedingungen emittierte Anleihe von 2 Millionen £
zur Erschließung neuer Kohlenfelder in Kent, was angesichts der Krise im englischen Kohlenbergbau
erklärlich ist.
1) Vgl. 8. 356.