Full text: Die Staatsausgaben von Großbritannien, Frankreich, Belgien und Italien in der Vor- und Nachkriegszeit

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die Personal- wie die Sachausgaben von Jahr zu Jahr, die Personalausgaben infolge Personalvermehrung 
und Gehaltserhöhungen, die Sachausgaben vor allem wegen der großen Preissteigerung der Brennmaterialien. 
Unter dem Einfluß dieser beiden Faktoren hatten sich die Kosten des gesamten KEisenbahnnetzes von 
rund 2 Milliarden fr. im Jahre 1914 auf 8 Milliarden fr. im Jahre 1920 erhöht. Dieser Ausgabesteigerung 
entsprach nur eine Einnahmesteigerung von 1,7 Milliarden fr., so daß der Abstand zwischen Einnahmen 
und Ausgaben jährlich größer wurde. Das Gesamtdefizit betrug in den Jahren 1914 bis 1920 
5573 Millionen fr. 
Da während des Krieges für die Instandhaltung der festen Anlagen und des rollenden Materials nicht 
in normaler Weise gesorgt wurde, mußten nach Beendigung des Krieges Reparaturen und Neuanschaffungen 
nachgeholt werden. Die Ausgaben hierfür gingen, soweit sie die Instandhaltungskosten eines Normal- 
jahres überschritten, zu Lasten des Staates. Sie wurden in einem Compte Special verrechnet, der am 
30. Juli 1924 einen Debetsaldo von 1575 Millionen fr. aufwies. 
Die Addition der Fehlbeträge der Betriebsrechnungen und des Compte Special in den Jahren 1914 bis 
1920 ergibt einen Betrag von rund 7 Milliarden fr. Die Schuldaufnahme, die aus diesem Fehlbetrage 
herrührte, übernahm der Staat auf Grund der Konvention von 28. Juni 1921. 
Dieselbe Konvention begründete durch die Einführung eines Fonds Commun eine Finanzgemeinschaft 
der privaten und staatlichen Eisenbahnen. Dem Fonds Commun sind alle Überschüsse zuzuführen, wie 
aus ihm auch alle Fehlbeträge zu decken sind. Die Tarife werden so gestaltet, daß nicht die Einzelgesell- 
schaft, wohl aber der Fonds Commun ohne Defizit arbeitet. Bis 1927 kann aber zur Vermeidung starker 
Tariferhöhungen der Staat durch Vorschüsse des Tresor ein etwaiges Defizit des Fonds Commun decken. 
eine Bestimmung, von der auch tatsächlich Gebrauch gemacht worden ist. 
Kine finanzielle Belastung entstand dem Staate weiterhin dadurch, daß auch die Post-, Telegraphen- 
und Telephonverwaltungen infolge des Krieges sowohl zur Deckung ihres Betriebsdefizits wie vor 
allem auch zur Finanzierung von Investierungen und Wiederherstellungsarbeiten Vorschüsse des Tresor 
erforderten. In den Jahren 1919 bis 1924 sind zur Deckung von Betriebsdefiziten 956 Millionen fr. und 
für Investierungen 959 Millionen fr. beansprucht worden. (Inventaire S. 98 bis 102.) 
Unter den finanziellen Folgen des Krieges stehen jedoch an erster Stelle die dem französischen Staate 
durch die Wiederaufbauarbeiten entstandenen Kosten. Bereits bei Beginn des Krieges hatte Frank- 
reich durch das Gesetz vom 26. Dezember 1914 den Grundsatz der vollständigen Entschädigung für Kriegs- 
schäden aufgestellt, und die Durchführung dieses Grundsatzes in dem Gesetz vom 17. April 1919 ver- 
ankert. Die Großzügigkeit, mit der bei der Einschätzung der Entschädigungssummen in Frankreich zu- 
nächst vorgegangen worden ist, erklärt sich daraus, daß nach französischer Auffassung alle Kosten des 
Wiederaufbaues von Deutschland getragen werden sollten. Durch den Dawesplan ist jedoch die jährliche 
Leistung Deutschlands an Frankreich ohne Rücksicht auf die französischen Abrechnungen festgelegt, 
und die Entschädigungszahlungen gehen demzufolge zu Lasten des französischen Tresor. Das hat zu 
dem Gesetz vom 2. November 1924 Veranlassung gegeben, durch das in Frankreich die Nachprüfung der 
Kriegsschädenentschädigungen angeordnet worden ist. Nach den Angaben des Expertenberichts*) be- 
laufen sich die für den Wiederaufbau bereits geleisteten Aufwendungen bis 31. Dezember 1925 auf 
120,5 Milliarden fr., von denen 66,7 Milliarden fr. auf Entschädigungen für zerstörtes Privateigentum, 
13 Milliarden fr, auf die durch die Beseitigung von Schäden an öffentlichem Eigentum entstandenen Kosten 
und 40,8 Milliarden fr. auf Entschädigungen für an der Person erlittene Schäden (Zahlungen an Kriegs- 
beschädigte und Hinterbliebene) entfallen. Nach derselben Quelle werden die noch zu leistenden Zah- 
lungen auf 15 Milliarden fr. geschätzt?) N 
Die Entwicklung der Gesamtausgaben Frankreichs in den Jahren 1919 bis 1924 zeigt folgende Übersicht: 
Die Ausgaben 1919 bis 1924 (in Milliarden fr.)?®) 
Jahr Zivil- / Ö62 | area Wieder | Compies | Gesamt- 
ver- che ar ZU- 2 
waltung | Schuld erstatten Speciany Eauspa ben 
A SE 7,2 7,9 18,225 1 15,5 3,4 ' 54,2 
90 | San 58,1 
1921. 90 Sn 60° 16 a4 2,7 51,1 
(902 7 | 6 As 2 0,5 48:9 
EB 1 0,8 48 21,7 45,8 
Ed ii 24 6:4 11.6 40.2 
1) Rapport du Comite des Experts a. a. 0., Annexe, Chapitre IV, No. 3. 
?) Vgl. hierzu jm einzelnen das Kapitel über die »Ausgaben auf Grund des Krieges« (S. 406 ff.) 
3) Inventaire a. a. O., S. 21.
	        
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