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Messen und Ausstellungen.
Von Paul Voß, Direktor im Meßamt für die Mustermessen in Leipzig,
I, Das deutsche Messe- und Ausstellungswesen einst und jetzt,
Messen und Ausstellungen haben gemeinsam eine doppelte Auf-
gabe, Einesteils sollen sie die Allgemeinheit mit dem neuesten Stande
der Sachgütererzeugung, mit den neuesten Fortschritten des Ge-
schmacks und der Technik bekannt machen, Andererseits erwartet
man von ihnen, daß sie den Verkehr zwischen Produzenten und Händ-
lern erleichtern, daß sie den Weg zwischen Angebot und Nachfrage
abkürzen und dem einen Part günstigeren Verkauf, dem anderen be-
quemeren Einkauf ermöglichen, Diese Doppelaufgabe wird jedoch von
Messen und Ausstellungen verschieden gelöst und verschieden be-
wertet, Bei der Ausstellung tritt mehr — ohne allerdings die kauf-
männischen Notwendigkeiten zu vernachlässigen — das allgemeine
Aufklärungs- und Bildungsinteresse in den Vordergrund. Aus-
stellungen finden stets als besondere Veranstaltungen statt, auf Grund
eines jeweils aufgestellten Programms, um die Entwicklung während
eines größeren Zeitabschnittes auf einem bestimmten Gebiet darzutun.
Messen dagegen sind regelmäßige, periodische Veranstaltungen, die
sich in erster Reihe an den Kaufmann wenden und aus diesem Grunde
oft sogar für das große Publikum, für nichtkaufmännische Kreise, mehr
oder weniger verschlossen sind, Messen und Ausstellungen, die letzt-
genannten nur insoweit, als sie „Ausstellungen‘ auch im volkswirt-
schaftlichen Sinne sind, erscheinen erst in dem Stadium der Wirt-
schaftsgeschichte, wo der Güteraustausch größere Formen annimmt, wo
insbesondere die Produktion aufhört, nur für bestimmte Kunden zu
arbeiten, sondern sich ganz allgemein an den Markt wendet. Je mehr
sich gleichzeitig der Verkehr entfaltet und regelmäßige Verbindungen
zwischen den entferntesten Ländern schafft, um so mehr zeigt sich auch
das Bedürfnis, den allmählich entstehenden internationalen Waren-
markt auch in bestimmten Veranstaltungen in Erscheinung treten zu
lassen.
Die ersten Messen finden wir demgemäß im Mittelalter in der Zeit
kurz nach den Kreuzzügen, als das Städtewesen, das Handwerk, der
Seehandel auf der Nordsee und im Mittelmeer, als gleichzeitig die
Hanse im deutschen Norden und die großen italienischen Stadt-