Wir würden die Entwicklung der niederländischen Seeschifffahrt
nicht verstehen, wenn wir nicht einen Blick auf die Hafenverhältnisse
werfen würden; wiederholt wurde ja bereits
ihr Einfluß auf die Schiffahrt gestreift. Ihr Zustand war in
älterer Zeit überaus schlecht!). Für Amsterdam
war der eigentliche Seehafen Tex el und das V1ie?). Hier hatten
die von See kommenden großen Schiffe zu ankern und zu warten,
bis die Flut ihnen gestattete, durch die Zuiderzee zum VY zu fahren;
meist leichterten sie und fuhren nun südwärts; auch dann noch
bildete die Untiefe der Pampus ein Hindernis, das oft erst durch
wochenlanges Warten überwunden wurde, wenn man nicht zu
Leichtern oder den 1690 eingeführten ‚,‚Schiffskamelen“‘‘ seine Zuflucht
nahm).
Besser war ja die Lage von Rotterdam, namentlich
mit Rücksicht auf die Westfahrt; von hier konnte man ziemlich
schnell durch die Schelde nach den südlichen Niederlanden kommen.
Und für den Verkehr mit England war von jeher Rotterdam der beliebteste
und bequemste Platz. Doch war schon frühzeitig nicht
Rotterdam, sondern das günstiger gelegene Hellevoetsluis
der Abgangspunkt für die Paketbote nach Harwich*). Mit diesen
ging auch die Post von und nach England, wenigstens nach 1702;
früher ging sie meist über Brielle®).
Am günstigsten für den großen Verkehr in nautischer
Beziehung lagen die seeländischen Häfen Middelburg,
Vlissingen, Arnemuiden. Doch verfiel der
letztere Hafen seit dem 17. Jahrhundert völlig der Versandung,
ebenso Veere. Vlissingen, das schon im 17. Jahrhundert einen vor-1)
Über die geographisch-nautische Ungunst der holl. Häfen vgl. Ballhausen,
S. 53, 179.
?) Hafen Amsterdams sei Texel: Blok, Rel. Venet., S. 135 (1618).
3) Vgl. Hagedorn, Schiffstypen, S. 77; Wortmann und van den
Broek, Si4:
41 Volkmann, Sl4ggıf Eversmann, S..2154; Büsch, Bemerkungen,
S. 76. Dieser Verkehr von Hellevoetsluis war recht bedeutend und
zählte z. B. 1792: 1935 Schiffe ein- und 1849 Schiffe ausgehend (Overvoorde,
Geschiedenis, S. 362, Anm. 2).
> Le Jeune, S. ı07ff.; über die holländisch-englische Postverbindung
im 17. Jahrhundert vgl. auch Elias, De Postmeester Jacob Quack, S. 146 ff.,
ferner oben S. 22.
160