Object : Naturalwirtschaft und Geldwirtschaft in der Weltgeschichte

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Lehensgütern materiell und finanziell zur Erfüllung ihrer Dienste
befähigt wurden und die Ausstattung mit Lehen gewissermaßen
die Vorbedingung dazu gebildet habe.
Das alte Ägypten zeigt aber noch eine wichtige Erscheinung:
Durch die unabhängige Stellung der Gaufürsten wird zwar das
Gefüge des Staates im mittleren Reich gelockert, aber gerade die
königliche Schatz- und Güterverwaltung bleibt unangetastet und
ist wie im alten Reiche zentralisiert*®). Ja, sie tritt jetzt sogar
noch mehr hervor als früher. Das zeigt doch, wie sehr der Staat,
oder besser gesagt der Pharao imstande war, eine Amtsentlohnung
auch sonst zu gewähren; oder anders ausgedrückt: Das Lehen
war keineswegs ein Auskunftsmittel der Entlohnung, weil die
Möglichkeit zu einer direkten Bezahlung sonst gefehlt hätte.
Diese Gaufürsten stellen einen Adel dar und waren Große,
die nicht erst durch die Belehnung seitens des Pharao in diese
gehobene Stellung gelangt sind. Sie hatten ihrerseits eine Gefolgschaft
 von Dienstmannen und Leuten, die zu ihnen in einem der
Vasallität ähnlichen Schutz- bzw. "Treueverhältnis (Amaku)
standen??).

Das Lehenswesen kommt aber auch in solchen Staaten des
Altertums vor, die bereits eine ausgebreitete Geldwirtschaft besaßen.
 So z. B. in Altbabylon!®). Der König gab Grundstücke
an Soldaten zu Lehen mit der Verpflichtung zum Kriegsdienst.
Sie vererbten sich auf die Nachkommen und waren unveräußerlich.
 Es waren Militärkolonisten, aus denen später Grundbesitzer
wurden, die außer ihren unveräußerlichen Lehen andere Ländeveien
 pachteten und allerlei Geschäfte machten. Auch hier kann
nicht die Unfähigkeit, in Geld zu zahlen, der Grund für solche
Einrichtungen gewesen sein, denn die Kosten für das Heer wurden
nicht nur durch Naturallieferungen gedeckt, die Löhnung der
Soldaten vielmehr in Geld (Silber) gezahlt. Besonders sei noch
hervorgehoben, daß auch die Soldaten, welche Staatsländereien

1) Ebda. S. 107.
4) Vgl. A. Moret, La condition des f&aux en Egypte. Recueil des travaux
relat. A la philol. et l’archeol. Egyptienne (1897), 19, 112 ff., bes. 126, sowie
R. Thurnwald, Staat u. Wirtschaft im alt. Ägypten. Zschr. f. Sozialwiss. (1901),
4, 697 ff. .
1) Vgl. B. Meißner, Babylonien und Assyrien. Kulturgesch. Bibl. herausg.
v. W. Foy, ı. Reihe, 3, 86 (1920).
            
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