XI. Abschnitt. Die persönlichen Ausgaben. 129
Weltkrieg mit seinen kolossalen Preisorgien am besten ins Licht
gestellt. "Tagtäglich konnte man von hochgestellten Beamten de-
taillierte Angaben über ihre Budgets lesen, die wahrlich ein Jammer
waren. Der ungarische Finanzminister konnte das Beispiel des
Richters vom obersten Gerichtshofe anführen, der eigenhändig seine
Schuhe sohlen mußte. Fleischnahrung war selbst bei hohen Beamten
ausgaschlossen. Mit Wäsche mußte auf das genaueste gespart
werden und das soll in einzelnen Amtslokalitäten an der verdorbenen
Luft auch wahrzunehmen gewesen sein. Das Elend steigerte natür-
lich der Umstand, daß schon vor dem Kriege in ganz Europa eine
große Teuerung Platz gegriffen hat. Brennholz, Kohle, Zündhölz-
chen, Seife, Arzneimittel, bei allen Artikeln waren unglaubliche
Preislagen. Dem gegenüber hatte der Staat den Beamten nur in
ganz unzulänglicher Weise durch Vorschüsse und Teuerungsbeilagen
Hilfe geboten.
7. Nachkriegszeit. Eine der wichtigsten Maßnahmen zur
Beseitigung des Defizits war der Beamtenabbau. In Deutsch-
land erfolgte dies auf Grund der Verordnung vom 27. Oktober
1923, welche verfügte, daß von dem gesamten Personal mindestens
25 Prozent auszuscheiden seien und zwar bis 1. April 1924 15 Pro-
zent. Tatsächlich wurden bis zu diesem Zeitpunkte 21,1 Prozent
abgebaut, und zwar von den dauernd angestellten Beamten 7,5 Pro-
zent, von den Angestellten 45,7 Prozent, von den Arbeitern 25,0
Prozent ?). Bis 31. Dezember, mit welchem Termin die deutsche
Regierung den allgemeinen Abbau als beendet betrachtete, betrug
der Abbau 22,2 Prozent, woraus ersichtlich, daß nach dem 1. April
der Abbau bereits sehr gering war. In Ungarn setzte der Sanie-
rungsplan einen Abbau von 15000 Beamten fest. Tatsächlich
betrug die Abnahme nach dem Budget für das Jahr 1926/27
21565, wovon auf die staatliche Verwaltung 6023 entfielen. Der
gesamte Abbau wird bis Ende Juni 1927 28 288 Personen umfassen
und werden die von der Landesersparungskommission gewünschten
Verwaltungsreformen einen weiteren Abbau zur Folge haben.
In der Nachkriegszeit hat sich das Beamtenproblem außer-
ordentlich zugespitzt. Sowohl die Lage des Staates, wie die seiner
Angestellten war eine schwierige. Dies ist auf verschiedene Ursachen
zurückzuführen, in erster Reihe aber auf Inflation und Teuerung.
Die Erhöhung der Gehalte (Deutsches Besoldungsgesetz 1920 und
Ergänzungen) folgte nicht dem Maße der Preissteigerung und der
') Siehe Krämer, Die Finanzgebarung des Reichs und seiner Länder seit
der Währungsstabilisierung (Finanzarchiv, 1925, 2. Bd., S. 77).
Földes, Finanzwissenschaft. 2. Aufl.
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