A. XI. Abschnitt. Der Stenermonismus. 271
weniger Reibungen verbunden wäre. Daß die Last unerträglich
wäre, läßt sich kaum behaupten, da ja die Größe derselben sich
nicht ändert, nur deren Verteilung. Für die schwächeren Steuerkräfte
mag die Verteilung der Last einen Vorteil bieten, da dieselben
weniger in der Lage sind, größere Summen und zu bestimmten
Terminen zu beschaffen. Nach den seinerzeitigen Berechnungen
von Leroy-Beaulieu würde in Frankreich die
einzige Steuer 20—25 Prozent des Einkommens in Anspruch nehmen.
Das stärkste Bedenken gegen den Steuermonismus besteht
jedenfalls darin, daß bei der Schwierigkeit der Feststellung der
Leistungsfähigkeit als Maßstab der Steuerpflicht, eine einzige Steuer
keine Gewähr böte für die Erfassung jener vielfachen Momente,
aus welchen auf die Größe der Leistungsfähigkeit geschlossen werden
kann. Hieraus würde aber eine große Unsicherheit und Ungleichheit
in der Besteuerung und damit eine ungerechte Verteilung der
Staatslasten folgen. Von diesem Standpunkte aus muß man
Adam Smith Recht geben, dessen Ansicht gemäß eben die Vielheit
der Steuern einige Gewähr zu bieten vermag gegen die
eventuellen Fehler einzelner Steuern. Vom Steuermonismus könnte
erst dann die Rede sein, wenn die Steuerverwaltung zur Feststellung
der Leistungsfähigkeit über vollkommenere Methoden verfügen
oder das Pflichtbewußtsein, das Staatsgefühl der Staatsbürger
empfindlicher sein wird. In Ermangelung dieser Voraussetzungen
könnte die einzige Steuer nur dort praktische Bedeutung gewinnen,
wo der Staat von den Staatsbürgern nur geringe Opfer in Anspruch
zu nehmen braucht. Die Durchführung des Ideals der
einzigen Steuer stößt auch auf die Schwierigkeit, daß es gewisse
Steuern gibt, die aus volkswirtschaftlichen oder anderen Gründen
behalten werden müssen, wie z. B. Zölle, eventuell Luxussteuern usw. ;
ferner daß bei der Wahl der Steuern ein Unterschied gemacht
werden muß, je nachdem es sich um den staatlichen, interstaatlichen,
kommunalen Haushalt handelt usw. Mit Recht weist Leroy-Beaulieu
darauf hin, daß es sehr verfehlt wäre, die Spiritussteuer
abzuschaffen, die große Einkommen bietet und die auch deshalb
gerechtfertigt ist, weil sie den Alkoholismus mildert, ferner
Deckung liefert für jene Ausgaben, welche dem Staate die Trunksucht
und deren Folgen verursachen.
Ob die Umlegung, Einhebung, Exekution der einzigen Steuer
weniger Kosten verursachen würde, was namentlich bei den Physiokraten
ein leitender Gesichtspunkt war, das ist zweifelhaft, wenn
es auch einige Wahrscheinlichkeit besitzt.
Kine Erscheinungsart des Individualismus ist es, welche die