Full text : Finanzwissenschaft

2 4. Buch. V. Teil. Die Steuern.
so viel zu steuern vermag. Dieser Gedankengang führt zum proportionalen
 Steuerfuß, welcher dort, wo der Steuerfuß in
Perzenten ausgedrückt wird, ein unveränderliches Perzentuale fordert.
Jede Steuerquelle wird in dem Verhältnisse mehr oder weniger
zahlen, als sie größer oder kleiner ist als eine andere Steuerquelle.
Bei dem proportionalen Steuerfuß ist also die Steuer dem zu besteuernden
 Einkommen proportional. Das Verhältnis zwischen
Einkommen und Steuerfuß ist ein bleibendes, unveränderliches.
 Andererseits kann von dem Gedanken ausgegangen
werden, daß mit der Zunahme der Größe der Steuerquellen, namentlich
 des Kinkommens, der entbehrliche Teil desselben zunimmt, also
ein größerer Teil zur Deckung der Staatsbedürfnisse überlassen
werden kann, ohne daß dies für den betreffenden ein größeres
Opfer bedeuten würde. Bei gleichem Einkommen wäre das in der
Steuer zu bringende Opfer gleichfalls arithmetisch gleich, bei ungleichem
 Einkommen, ungleichen Steuerquellen wäre aber diese
Gleichheit die größte Ungleichheit, denn von einem größeren Einkommen
 kann ein progressiv größeres Opfer leichter getragen
werden, als von einem geringeren Einkommen ein relativ kleineres
Opfer. Die von der Forderung der Gleichheit des Opfers ausgehenden
 Theorien mußten mit der Zeit notwendigerweise zu dem
Resultate kommen, daß sie die Gestaltung der aus dem Einkommen
verschiedener Größe zu befriedigenden Bedürfnisse ins Auge faßten.
So sagt Meyer, daß jegliche Steuerzahlung die Unterdrückung
gewisser Bedürfnisse nötig macht, aber bei den kleinen Einkommen
gehören die derart unbefriedigten Bedürfnisse zu denen erster
Ordnung, bei den größeren Einkommen dagegen zu den weniger
dringenden. Die Gleichheit der Opfer wird daher nur dann erreicht
 werden, wenn in letzterem Falle der Abzug ein größerer ist.
Pierson sagt in gleichem Sinne, es muß danach getrachtet werden,
daß bei Jedermann der durch die Steuer vereitelte Genuß in
gleichem Verhältnisse stehe zu den Gesamtgenüssen.
3. Progressiver Steuerfuß. In dieser Auffassung wurzelt
die Idee des progressiven („differential“) Steuerfußes, deren
Forderung darin besteht, daß mit der zunehmenden Größe der
Steuerbasis auch der Steuerfuß progressiv zunehme, die Steuerlast
also nicht nur proportional, sondern in progressiv steigendem Verhältnisse
 zunehme. Bei diesem System wächst also mit dem Steuerfuß
 auch die Steuerleistung in dem Maße, als das Einkommen, die
Steuerbasis wächst. Hier ist also das Verhältnis zwischen
Steuerbasis und Steuerschlüssel ein veränderliches.
Der progressive Steuerfuß ist eigentlich eine Zusammenfassung

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