Full text : Finanzwissenschaft

5. 4. Buch. V. Teil. Die Steuern.
die Höhe einer Steuer ist schädlich, sondern deren erpressende Art;
nicht jede hohe Steuer aber ist erpressend und nicht jede erpressende
 Steuer ist hoch"). In Ungarn fand nach Schwartner
der Maisbau deshalb so ausgedehnte Anwendung, weil vom Mais kein
Zehent zu zahlen war, da er in den alten Rezensionen nicht vorkam 2%).
2. Positive Postulate. Wir haben nur der negativen
Forderungen Erwähnung getan, die sich aus den volkswirtschaftlichen
 Interessen ergeben, sie sind, wie erwähnt, von überwiegender
Bedeutung. Doch können auch positive Forderungen aufgestellt
werden. Wir können es als wünschenswert bezeichnen, daß die Besteuerung
 solcher Art sei, daß sie die volkswirtschaftlichen Interessen
nicht nur nicht schädige, sondern positiv befördere. Jede Steuer
fordert Opfer und so wird die Steuer in der Regel die Produktionsfähigkeit,
 die Kapitalbildungsfähigkeit °) oder die Konsumtionsfähigkeit
 beeinträchtigen. Trotzdem zeigt die Erfahrung,
daß auf wenig kultivierte, wirtschaftlich untätige Völker die Steuerlast
 aneifernd einwirkt. Einen großen Teil der Steuereinnahme
kann der Staat auf zweckmäßige wirtschaftliche Einrichtungen, auf
Beförderung der Landwirtschaft, der Industrie, des Handels verwenden.
 Kin rationelles Zollsystem kann auf die Volkswirtschaft
und auf einzelne Produktionszweige günstig einwirken. Kinzelne
Verzehrungssteuern haben indirekt einen günstigen Einfluß auf gewisse
 Produktionszweige ausgeübt, so z. B. die Besteuerung der
Rübe auf die Zuckerindustrie, freilich mit Verkürzung der Staatseinnahmen.
 Die Luxussteuern können dem frivolen Luxus einen
Damm setzen. Die Besteuerung der Grundstücke + kann einen
günstigen Einfluß auf die Bewirtschaftung der Grundflächen, bzw.
in Städten auf die Bebauung der Hausstellen ausüben. Die Börsensteuer
 kann das zügellose Börsenspiel eindämmen.
Wir können daher zusammenfassend sagen, die Besteuerung
soll in jeder Richtung danach trachten, den Postulaten der Volkswirtschaft
 Geltung zu verschaffen.
VIL. Abschnitt.
Die Steuerüberwälzung.
l. Erscheinungen der Steuerüberwälzung. Von den
volkswirtschaftlichen Wirkungen der Besteuerung ist namentlich
1) Oeuvres S. 340.
?) Statistik des Königreichs Ungarn (Ofen 1809) I. Bd. S. 283.
% Rodbertus, Steuern dürften die Kapitalisation öfter fördern als hemmen
 (a. a. O0. 8: 197).

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