Frankreichs Bank- und Finanzwirtschan.
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allein gegen 45 Milliarden Frcs. 1 ) in Anleihe-Form zur Verfügung ge
stellt, von denen sie jedes Jahr gewaltige Summen an Zinsen ins Land
zieht, oder einen Teil zum Ausgleich eines möglichen Einfuhrüberschusses
aus der Handelsbilanz verwendet. Der Krieg hat hier mit einem Male
diesen Zinsenzufluß und Kapitalrückfluß unterbunden oder zum min
desten empfindlich gestört. Sofort in den ersten Wochen des Krieges
erließen fast sämtliche Staaten Moratorien, denen sich auch Zahlungs
verbote gegenüber dem Auslande anschlossen, so daß die Gläubiger
staaten ihre Forderungsrechte an Zinsen und anderen Zahiungsver-
bindlichkeiten nicht geltend machen konnten. Hiervon wurde Frank
reich empfindlich getroffen. Später haben wohl einige Staaten, so vor
allem diejenigen, die einen schwungvollen Kriegshandel treiben — neutrale
Staaten — die Zahlungsstundungen und -Verbote suspendiert und
gegenüber ihren Gläubigern die rückständigen und laufenden Verpflich
tungen erfüllt. Aber dennoch ist der Kreis derjenigen spezifischen Schuld
ner-Staaten, die durch den Krieg direkt oder indirekt in Mitleidenschaft
gezogen werden, sehr weit und ihnen ist es nach wie vor unmöglich,
auch nur einen kleinen Teil ihrer Schulden abzudecken. Die vielen
kleinen Länder in den fernen Zonen betrachten die kriegerischen Ver
wicklungen in Europa als eine willkommene Erlösung von ihren Zahlungs
pflichten. Aus den südamerikanischen A. B. C.-Staaten (Argentinien,
Brasilien, Chile) dürften die erforderlichen Summen für den Zinsendienst
nur allmählich und zum Teil unvollständig bereitgestellt werden, und
die anderen kleineren Länder, wie Peru, Uruguay, Paraguay u. a. werden
sie auch bei gutem Willen nicht immer rechtzeitig und vollständig auf bringen
können. Mexiko hat seine Finanzkraft durch jahrelange innere Des
organisation und einen Bürgerkrieg geschwächt und dürfte nicht einen
Silberpiaster für Frankreich übrig haben. In den asiatischen Gebieten,
außer in Japan, herrscht jetzt kein Überfluß an Geld, und schließlich
dürften auch Ägypten, Tunesien, Algier und andere afrikanische Gebiete
schwerlich an einem regelmäßigen Zinsendienst festhalten. Im Lager
seiner eigenen Verbündeten leistet Frankreich zur Zeit nicht nur Verzicht
auf alle Zinszahlungen, sondern schießt ihnen noch Unterstützungs
gelder vor. Gewaltige Zinszahlungen Rußlands müssen prolongiert
oder bevorschußt werden, Belgien, Serbien, Montenegro sind unfähig
z ur Zahlung. Griechenland fällt es schwer, sie in alter Höhe zu leisten.
Üer schnelle Entschluß, dem Beispiel der englischen Bundesgenossen
zu folgen und den Zentralmächten, der Türkei und Bulgarien einen
rücksichtslosen Handelskrieg zu erklären, führte zu einer gegenseitigen,
vollständig lückenlosen Zahlungseinstellung. Dies bedeutet für Frank
reich den Fortfall von vielen Mill. Frcs. Jahreszinsen aus Österreich-
Ungarn, der Türkei und Bulgarien.
■*) Vgl. den Abschnitt: Kreditinstitute. Arndt schätzt die Auslandsinvesti-
Uonen Frankreichs auf etwa 60 Milliarden Frcs. (Siehe Zeitschrift für Sozialwissenschaft
und soziale Praxis 1915, S. 311—456).