Full text : Finanzwissenschaft

IV. Abschnitt. Die verschiedenen Arten der Staatsschulden. 615
mehr und mehr Eingang auch dort, wo das Staatsschuldenbuch
besteht ?).
Die über das Zustandekommen bzw. durch den Einzelnen dem
Staate gegebene Darlehen ausgestellte Urkunde ist der Staatsschuldenbrief.
 Wo Staatsschuldenbriefe nicht ausgestellt werden,
da erhält der Gläubiger nur eine Bestätigung der geleisteten Einzahlung.
 Der Staatsschuldenbrief lautet entweder auf Namen oder
auf Inhaber. Er besteht aus drei Teilen: dem eigentlichen Staatsschuldenbrief
 (auch Mantel genannt), dem Couponbogen und der
Couponanweisung (Talon). Der Staatsschuldenbrief enthält die Bedingungen
 des Darlehens, welche für das Rechtsverhältnis maßgebend
 sind, der Coupon lautet auf die fällige Zinsenforderung, der
Talon auf einen neuen Couponbogen, wenn die dem Schuldbrief
angefügten Coupons bereits insgesamt eingelöst sind und die Schuld
noch nicht zurückgezahlt ist.
Eine Betrachtung der historischen Entwicklung der Staatsobligationen
 zeigt, daß im Anfange, als die Anlehen aufgenommen
wurden und zwar zumeist als Anlehen des Souveräns, bloß ein
Schuldbrief ausgestellt wurde, in dem natürlich der Gläubiger und
der Zweck der Schuldaufnahme angegeben wurde. Als es sich
später um größere Beträge handelte, da traten mehrere Bankiers
gewissermaßen eine Koterie zusammen und es wurde dem Hauptgläubiger
 die Generalschuldverschreibung übergeben, den übrigen
Teilschuldbriefe. Die weitere Entwicklung führte dann dahin, daß die
Schuldbriefe dem Geldmarkte angeboten wurden, sie wurden infolgedessen
 in gewissen gleichen Appoints ausgestellt und in der Schuldurkunde
 wurde weder der Gläubiger noch die causa genannt, der
Schuldbrief lautete nicht mehr auf Ordre, sondern auf den Inhaber,
was natürlich die Verkehrsfähigkeit der Papiere außerordentlich
erhöhte. Die Generalschuldurkunde fiel weg 2).
8. Prämien-,Lotterieanlehen. Zur Aneiferung des Publikums
 und zur Anspornung der Bereitwilligkeit des Kapitals wurden
verschiedene Modalitäten in Anwendung gebracht, namentlich in
früherer Zeit, welche die Unentwickeltheit des Geldmarktes und
des Kreditwesens charakterisierten. Hier kommen namentlich die
sogenannten Prämienanlehen, Lotterieanlehen in Betracht.
Bei diesen Anlehen werden die Zinsen zur Auszahlung von Gewinsten
 verwendet, ganz oder zum Teil; im ersten Fall genießen
) In älterer Zeit gab man der Buchschuld den Vorzug, die die Folge
dessen war, daß die Staatsschuld eine Zwangsschuld war (Sieveking, S. 168).
®) Siehe Siebert, Über Entstehung und Entwicklung des öffentlichen
Kredits im Großherzogtum Baden (Schanz. Finanzarchiv. 1918 D.
            
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