Full text: Die Technik des wirtschaftlichen Verkehrs

EINFÜHRUNG 
I. VERKEHR UND HANDEL 
In den Anfangsstadien der wirtschaftlichen Tätigkeit der 
Menschen produziert jede Wirtschaft für den eigenen Verbrauch; ein 
Austausch mit anderen Wirtschaften findet nicht oder doch nur in 
den Überschüssen statt und ist auch nicht notwendig, weil jede Wirt- 
Schaft sO eingerichtet ist, daß alles, was im Hause gebraucht, auch 
im Hause erzeugt wird (isolierte Hauswirtschaft). In der Hauswirt- 
schaft entwickeln sich dann die Anfänge der Produktionsteilung, 
indem sich zumeist Unfreie (die Klienten bei den Römern, die Hinter- 
sassen bei den Germanen!) dauernd bestimmten Arbeiten zuwenden, 
so dem Spinnen und Weben, der Anfertigung der Bekleidung und 
Beschuhung, von Waffen, Haus- und Ackergeräten und anderen Be- 
darfsartikeln, und darin große Fertigkeit erlangen; es entstehen die 
Gewerbe. Diese tauschen ihre Erzeugnisse gegen landwirtschaftliche 
Produkte aus, es wird nicht mehr für den eigenen Verbrauch allein 
produziert, sondern auch für andere, Die Zahl der Gewerbe nimmt 
immer mehr zu, mit jedem Fortschritt in der Technik der Produktion 
vermehrt. sich die Zahl jener Güter, deren Herstellung im eigenen 
Hause unlohnend wird und die daher im Tauschwege erworben 
werden, So entsteht ein allgemeiner Güteraustausch, den man als 
wirtschaftlichen Verkehr bezeichnet. 
Der wirtschaftliche Verkehr hat wieder notwendig einige andere 
Einrichtungen zur Folge: Zunächst entwickelt sich der Begriff der 
Ware; denn es liegt im Wesen des wirtschaftlichen Verkehrs, daß 
der Produzent hauptsächlich nicht mehr für den eigenen Bedarf, 
sondern zu dem Zwecke produziert, seine Erzeugnisse gegen andere 
auszutauschen, Gegenwärtig wird, von den bäuerlichen Zwergwirt- 
schaften abgesehen, bis auf ganz wenige Tätigkeiten des Hausfleißes 
für andere, für den Güteraustausch. für den wirtschaftlichen Verkehr 
produziert, Die erzeugten Güter werden in Verkehr gesetzt, und man 
bezeichnet solche Güter, die Gegenstand des wirtschaftlichen Ver- 
kehrs sind, als Waren. 
Es war nicht immer möglich, gerade jenes Gut einzutauschen, 
das man brauchte; in diesem Falle nahm man vorläufig ein anderes 
1) Hoffmeister, Die wirtschaftliche Entwicklung Roms. Wien 1899. 
Ottel, Technik des wirtschaftlichen Verkehrs
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.