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Danach hatte bei einer Weizenernte von 375 Mil—
lionen Bushels der Elevatorbestand der drei Prärie—
provinzen 150 Millionen Bushels Fassungsver—
mögen, von denen 131 Millionen auf die country
elevators entfielen. Dabei ist allerdings zu berück—
sichtigen, daß die Hauptsammelstellen für die drei
Provinzen die Elebatoren am westlichen Ende der
oberen Seen in Fort William und Port Arthur
bilden, die unter Ontario aufgezählt sind.
Manufacturing élevators sind die Silos der
Mühlenindustrie. Die public elevators werden
unter Aufsicht der Behörde von Pächtern betrieben,
die selbst keinen Getreidehandel betreiben dürfen.
3. Entstehung der Weizenpools
In gleicher Weise wie in der Schweiz und in
Norwegen hat sich die gegenwärtig in Kanada auf
dem Gebiet der Getreidewirtschaft bestehende Or—
ganisation aus den während der Kriegszeit getroffe—
nen Maßnahmen entwickelt. Die Ernten 1917 und
1918 kamen unter der Aufsicht der Regierung auf
den Markt. Ein Board of Grain Supervisors (Ge—
treide⸗Uberwachungsstelle), das aus Getreidehändlern
und Vertretern der Landwirte bestand, setzte die
Einkaufspreise fest, regelte die Erfassung und Ver—
teilung des Getreides in Kanada, während die Ver—
fügung über den Ausfuhrüberschuß einer Weizen—
ausfuhrgesellschaft (Wheat Export Company) zu—
stand, den Vertretern, der Britihh Royal Com
mission on Wheéeat-Supplies, die die kanadischen
Weizenvorräte allen europäischen Verbündeten zu—
leitete. Diese Einrichtung lockerte sich nach Ein—
stellung der Feindseligkeifen im Jahre 1918. Im
Frühjahr und Sommer 1919 war für die Frage des
Absatzes der nächsten kanadischen Ernte bedeutungs—
voll, daß alle europäischen Einfuhrländer durch
staatliche Organisationen kauften und die Vereinigten
Staaten ihren Weizen durch die United States Grain
Corporation verkauften. Wie in den Vereinigten
Staaten hielt man es für notwendig, den staatlichen
Einkaufsorganisationen der Einfuhrländer weiter
noch eine staatliche Verkaufsorganisation gegenüber—
zustellen. Deshalb gründete die kanadische Regie—
rung das Canadian Wheat Board (Kanadisches
Weizenamt). Diese Stelle übernahm das ihr aus
dem Inland angebotene Getreide gegen Leistung
einer von ihr selbst festgesetzten Anzahlung und untet
gleichzeitiger Ausstellung eines Anteilscheines, auf
Grund dessen ein später sich beim Verkauf der ganzen
Ernte ergebender Verdienst verteilt werden sollte.
Unterstützt durch steigende Preise arbeitete die amt—
liche Verkaufsstelle stets erfolgreich. Der Weizen
wurde übernommen zu einem Kassapreis von 2,168
für den Bushel und später wurde noch ein Gewinn—
anteil von 48 Cents für den Bushel verteilt. Man
hat berechnet, daß der kanadische Farmer im Durch—
schnitt 26 Cents auf den Bushel der Ernte 1919
mehr erhalten hat, als der Farmer der Vereinigten
Staaten, und daß der kanadische Verbraucher
152 Cents auf das Pfund weniger für sein Brot
bezahlt hat so). Dieses Ergebnis des Zwangspools
so) Wheat Studies of the Food Researeh Institute der
Ztanford University. Band J. Stanford 1928. Im Auszug
wiedergegeben in „Die Fachkunde“ Nr. 28 vom 28. De—
zember 1925 zum Marktbericht „Hansablum“. Ohairmans
Reports Canadian Wheat Board wWinnipeg Mapitoba.
für Weizen erfüllte die Farmer mit großer Befrie—
digung. Es war ihnen nicht bloß die Sorge, wann
und wie sie ihren Weizen auf den Markt zu bringen
hatten, abgenommen, sondern auch der beste Preis
erzielt, den sie je für ihren Weizen erhalten hatten.
Die befreiende Formel für die Erlösung des Far—
mers von der dunklen Macht der Börse schien damit
gefunden. Sie agitierten für die Aufrechterhaltung
des Systems. Bei dem Getreidehandel fand jedoch
dieser Wunsch keine Gegenliebe. Er besaß hinreichend
Linfluß bei der Regieruug in Ottawa, um durch—
zusetzen, daß die vorläufige Gesetzgebung, die die
rechtliche Grundlage des Systems gebildet hatte,
rußer Kraft gesetzt und der freie Markt für die
Ernte des Jahres 1920 wieder hergestellt wurde 61)
Der kanadische Landwirtschaftsrat hatte sich den
Wünschen der Farmer angeschlossen, konnte aber die
Entscheidung der Regierung nicht erschüttern und
zog deshalb die Errichtung einer freiwilligen Ab—
atzzentrale in Erwägung, die sich der unter dem
Wheat Board durchgeführten Einrichtung soweit als
möglich annähern sollte. Als zu verfolgender Zweck
wurde bezeichnet, eine gleichmäßige Verteilung der
Erntebewegung über das ganze Wirtschaftsjahr, die
Vermeidung der Verstopfung des Marktes in den
ersten drei Monaten nach der Ernte und die Stabi—
lisierung der Weizenpreise.
Die Aufmerksamkeit der Farmer wurde zunächst
durch die Anfang 1921 stattfindenden Wahlen in
Anspruch genommen, die zu einem weitgehenden
Erfolg der neuentstandenen Farmerpartei führten.
Anter dem Druck der inzwischen eingetretenen
chlechten Konjunktur für die Landwirtschaft und mit
dem gesteigerten politischen Einfluß der Farmer—
interessen gewann die Bewegung zugunsten der
Wiederherstellung des MWheat Board an Stärke und
im Laufe des Jahres 1922 wurde im Parlament
die Wiederherstellung des Wheat Board beantragt.
Die Annahme scheiterte an verfassungsmäßigen Be—
denken und statt ihrer wurde ein Geseß angenommen,
as für 1922 wieder ein Wheat Board, aber ohne
Zwangsbefugnisse, ins Leben rief, und es den Pro—
inzen überließ, durch eine ergänzende Gesetzgebung
dem Board das Monopol für den Weizenabsatz zů
nerschaffen. Alberta und Saskatchewan erließen so—
Jleich entsprechende Gesetze. In Manitoba fand jedoch
die entsprechende Vorlage nicht die Zustimmung des
Provinzialparlaments, und damit kam die ganze
Einrichtung zum Scheitern. Unterdessen war jedoch
der Gedanke nicht aus dem Auge gelassen worden,
die Organisation auf freiwilliger Grundlage auf—
zuziehen und insbesondere die Farmervereimigung
»on Alberta hatte dieses Ziel in erster Linie im Auge
hehalten. Im Juli 1923 wurde ein Beschluß ge—
'aßt, der das Bedauern über das Scheitern der Ge—
etzesvorlage über das Wheat Board zum Ausdruck
zrachte, aber weiter den Entschluß feststellte, einen
Weizenpool für Alberta ins Leben zu rufen und die
vestlichen Schwesternprovinzen aufforderte, gleich—
falls Provinzialpools zu, organisieren, wobel zu—
gleich das Zusammenwirken der Provinzialorgani—
sationen vorzusehen wäre. Schon nach diesem Be—
schluß sollte das letzte Ziel die Orgänisation des
oij The Economist vom 18. Dezember 1925, Nr. 4808