Full text : Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

82 Die neue Einwanderung
durch die Konzentration des Reichtums in wenigen Händen
und das Aufhören der Chancengleichheit an Beweglichkeit
verloren, eine gewisse Fixierung ist eingetreten, die Schichten
 haben sich mehr konsolidiert, die ungleiche Verteilung von
Besitz, Einkommen und Macht hat allmählich Scheidewände
emporwachsen lassen. Die soziale Position beginnt auch in
Amerika etwas Gegebenes zu werden, und deutlich treten vier
Klassen heraus, eine Plutokratie, die sich auch sozial abzusondern
 strebt, eine Art von Adel bildet, und wo man schon anfängt,
 auf „Familie“ zu sehen, eine Mittelklasse von Angestellten
 in abhängiger Stellung, eine in ihrer Lebenshaltung
von dieser nicht sehr verschiedene Arbeiterschaft, und ein
Proletariat, das sich aus Ungelernten und damit größtenteils
aus der „Neueinwanderung“‘“ rekrutiert, eine Klasse, die es
früher überhaupt nicht gegeben hatte. In der Fabrik, bei der
Arbeit und in der Erholungspause mögen noch immer alle sich
auf gleichem Fuße begegnen, außerhalb der Arbeitsstätte dagegen
 sorgen meist schon die Frauen für eine gesellschaftliche
Sonderung.
Es hatten sich nämlich auch die Menschengewandelt,
die Amerikazuwanderten. In jeder Beziehung war eine
Verschiebung und zwar zum schlechteren vor sich gegangen.
In der ersten Epoche der Siedlungsgeschichte setzten sich
die Einwanderer ganz überwiegend aus Engländern, Iren,
Holländern, Deutschen und Skandinaviern zusammen. Es
waren Menschen, die sich in Europa politisch oder religiös
bedrückt gefühlt hatten oder denen der heimische Boden zu
            
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