56 Vergnügungen
Zeit hervorgeht. „Ich sah niemals‘“, so schrieb z. B. Miß Trol-
lope, „ein Volk, das so ohne jedes Vergnügen zu leben schien,
wie die Bewohner von Cincinnati. Billards sind durch das Ge-
setz verboten. Der Verkauf eines Kartenspiels wird in Ohio
mit 50 Dollars Strafe belegt. Sie haben keine öffentlichen
Bälle, außer sechs während der Weihnachtsfeiertage. Sie
haben keine Konzerte. Sie haben keine dinnerparties‘“ 54, Jeg-
liches Spiel wurde aufs strengste verurteilt, und Chevalier
berichtet, daß die Aufstellung eines Billards im Weißen Hause
durch John Quincy Adams als ein ernsthaftes Argument
bei seiner Wiederwahl zum Präsidenten ins Feld geführt
wurde 55, In Lowell wurde in den dreißiger Jahren des
19. Jahrhunderts ein Theater gebaut, aber die öffentliche
Meinung setzte es durch, daß es wieder abgerissen wurde. Da-
nach ist es nicht schwer sich vorzustellen, wie ein ameri-
kanischer Sonntag damals beschaffen war. „Niemand ar-
beitet, aber auch niemand scheint zu leben.‘ 56 In manchen
Orten, z. B. in New York, sorgten eigene Wachmänner, die
überall in kleinen Entfernungen voneinander aufgestellt waren,
dafür, daß keinerlei Entweihung eintrat und jeder Ausbruch
der Freude unterdrückt wurde 57,
Mit der Einengung der Macht des Puritanismus ist nicht
nur die religiöse Grundlage des Lebens erschüttert worden,
der früher unvermeidliche Kirchenbesuch wird von der All-
gemeinheit keineswegs eingehalten und auch der Sonntag hat
für den Ausländer viel von seinen Schrecken verloren. Man ist
viel freier geworden, mag auch noch heute etwa in Texas das