dem ich meine Erlebnisse und mein Herz anvertrauen kann;
also wenn du etwas wissen willst, so stelle Fragen. Ich werde
dieselben beantworten.“ Ein Metallarbeiter: „Ich bin so froh,
wenn ich einmal aufrichtig sagen kann, was mein Fühlen und
Denken ist. Die Art und Weise Ihrer Fragestellung hat mich an
gezogen und gaben mir meiner Meinung nach ein Recht, mein
Herz rückhaltslos auszuschütten. Der Raum war für mich viel
zu klein, um alles, was ich denke und fühle, aufzuzeichnen.“ Ein
Textilarbeiter: „Ich habe mich gefreut, als mein Freund Schuster
mir diesen Fragebogen in die Hand drückte, mich endlich einmal
einem gebildeten Menschen gegenüber etwas auszulassen“ usw.
Ein Werkzeugschlosser: „Seit einem halben Jahr liegt der
Fragebogen unausgefüllt auf der Kommode, und erst jetzt habe
ich den Mut, Ihnen mein Herz auszuschütten. Ich danke Ihnen,
daß Sie mir Gelegenheit geben, Ihnen, der den inneren Kampf
des Arbeiters versteht, mein Herz auszuschütten. Gewöhnlich
erregt so etwas ja nur die Teilnahme, die man einem Überspannten
entgegenbringt.“
Ein Schlosser: „Ich sende Ihnen den Fragebogen voll er
lebter Gefühle. Ich habe noch keinen Menschen gehabt, dem ich
in ähnlicher Weise etwas hätte andeuten können. Das stete
Gefühl des Unverstandenseins erstickt das Bedürfnis, sein Fühlen
jemand zu sagen, erzieht sogar direkt zum Schweigen. Dieses
Schweigen mag das beste Resultat der Lebensschule sein, die
seelischen Kräfte sollen sich ausgären und im Handeln ihren
Ausdruck finden. Mich zwangen bisher die harten Proletarier
gesichter zum Schweigen“ usw. usw.
Am 20. Mai igio erschien in der „Bergischen Arbeiterstimme“
in Solingen ein Artikel, der sich gegen diese Untersuchung rich
tete Und wie folgt schloß: „Solche Wichtigmacher, die in den
Arbeitern lediglich Objekte für ihre Schrullen und Marotten sehen
und sie nur benutzen, um sich mit irgendeiner sensationellen Ver
schrobenheit einen Namen zu machen, sollte die Partei in Berlin
sich vom Halse halten.“ (Die gar zu unschönen Kraftausdrücke
wurden, des Harmoniebedürfnisses wegen, fortgelassen.) Diese
Notiz ging auch in andere Parteiblätter über, endlich auch an
die Mitteilungsblätter in Berlin, die den Bezirksführern übergeben
werden, um daraus das Wichtigste den Genossen mitzuteilen.
Die Wirkungen dieser Veröffentlichung waren sehr prompte,
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