Nachtrag zu: Paul Hacker, Der Deutsche Handelstag.
(S. 307—308).*)
Von Heinrich Soetbecr.
Die Vollversammlungen des Deutschen Handelstags finden in der Regel
nur einmal jährlich statt und pflegen von etwa 300 Personen besucht zu werden.
Beide Llmstände machen es erforderlich, in der Auswahl der in ihnen zu erörternden
Angelegenheiten Beschränkung zu üben. Die weitaus meisten, insbesondere die für
eine Beratung in großer Versammlung minder geeigneten Angelegenheiten werden von
dem in wohlüberlegter Weise aus etwa 50 Personen zusammengesetzten Ausschuß
erledigt und der Vollversammlung nur im Geschäftsbericht unterbreitet, zu dem Be
merkungen gemacht werden können. Zur Vorbereitung der Ausschußsihungen und
Vollversammlungen wurden früher nur in einzelnen besonderen Fällen Kommissionen
eingesetzt. Seit Jahren hat sich aber die Tätigkeit des Deutschen Handelstags derart
gesteigert, daß neben solchen Sonderkommissioncn eine Reihe ständiger Kommissionen
eingerichtet werden mußte. In diesen Kommissionen vollzieht sich jetzt ein großer Teil
der Arbeit des Deutschen Handelstags unter hingebender und lebhafter Beteiligung
seiner Mitglieder. . . .
Während die Handelskammern in einigen mittleren Bundesstaaten, wie Sachsen,
Baden und Lessen, regelmäßig Zusammenkünfte veranstalten, gibt es eine derartige
Vereinigung für die Gesamtheit der preußischen Handelskammern nicht; vielinehr ver
sieht der Deutsche Handelstag zugleich auch die Zentralstelle für die preußischen
Handelskammern. Dies ist insofern natürlich, als die Mehrzahl seiner Mitglieder
preußische Handelskaminern sind und er seinen Sitz in der preußischen Hauptstadt hat;
und dies ist auch deshalb gut, weil ein Preußischer Handelstag neben dem Deutschen
Handelstag den letzteren beeinträchtigen und damit alle Handelskammern, das Interesse
der Gesamtheit schädigen würde. Als Zentralstelle für die preußischen Handelskammern
wird der Deutsche Handelstag vom Preußischen Minister für Handel und Ge
werbe u. a. darin anerkannt, daß der Minister die im Auftrag des Deutschen Handels
tags von dessen Generalsekretär herausgegebene Zeitschrift „Handel und Gewerbe" für
seine amtlichen Mitteilungen an die Handelskammern benutzt.
Die genannte Zeitschrift, die früher im Auftrag der vereinigten Sekretäre
deutscher Handels- und Gewerbekammern herausgegeben wurde, ist Anfang 1898 vom
Deutschen Handelstag übernoinmen worden. Sie verfolgt den Zweck, einerseits die
gesamte Tätigkeit der deutschen Handelskammern systematisch zu verarbeiten und zu
gesteigerter Geltung zu bringen, andererseits die Handelskammern durch Mitteilung
von Äußerungen und Bestrebungen der übrigen Handelskainmern und durch andere
Mitteilungen in ihrer Tätigkeit zu unterstützen. Zu Anfragen an die Handelskammern
wird die Zeitschrift nicht nur vom Preußischen Minister für Handel und Gewerbe,
sondern auch vom Kaiserlichen Patentamt und von Eiscnbahnbehörden benutzt.
Präsident des Deutschen Handelstags ist seit 1888 Geheimer Kommerzienrat
Frentzel (Berlin); vorher war es seit 1870 mit kurzer Unterbrechung Geheimer
Kommerzienrat Delbrück (Berlin); im ersten Jahrzehnt des Bestehens des Deutschen
Handelstags fand ein häufiger Wechsel in der Leitung statt.
Generalsekretäre waren Dr. Maron, Dr. Alexander Meyer, Dr. Rentzsch,
Konsul z. D. Annecke und, seit 1897, Dr. Soetbeer.
*) Dieser Nachtrag ist einer eben erschienenen Abhandlung von Heinrich Soetbeer über
den Deutschen Handelstag (in: Deutsche lvirtschaftszeitung. Herausgegeben von Apt und voelcker.
Jahrgang. Berlin, R. v. Deckers Verlag, <3. Schenck, ;I0S. 5p. W5 — ;so) entnommen. — <8. M.