Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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liehe Aufhebung der öffentlichen Armenunterstützung. Die 
Armen sollen sich selbst und dem rein zufälligen Mitleid Ein 
zelner überlassen werden ; aber auch bei diesen zufälligen Spen 
den empfiehlt Mallhus gehörige Kargheit. Ganz besonders hat 
er es auf die armen und verlassenen Kinder gemünzt. Sein 
Vorschlag, wie er ihn in der dritten Ausgabe seines Buchs (1806), 
also in einem Alter von 40 Jahren machte, war folgender. Ein 
Gesetz hebt die Pflicht zur Armenunterstützung auf, jedoch so, 
dass noch ein Jahr lang für eheliche, zwei Jahr aber für un 
eheliche Kinder der bisherige Zustand bestehen bleibt. Von 
diesen Zeitpunkten an tritt aber das Gesetz in aller Strenge 
in Kraft. Um nun aber die „moralische Einschränkung” ins 
Spiel zu setzen, wird bei jedem Aufgebot eine Kanzelvormah- 
nung verlesen, welche die Quintessenz der Malthusschen Prin 
cipien an das Volk und an das betreffende Paar bringt. Als 
dann stehen noch die beiden Wege offen, und wer nicht noch 
bei Zeiten einlenkt und die in Aussicht gestellte Zuchtruthe 
verachtet, dessen Kinder sollen dann erbarmungslos preisgege 
ben werden und nicht die geringste Hülfe zu erwarten haben. 
Dieser Plan verdient keine Kritik; aber in Bücksicht auf seine 
Ausführbarkeit würde es nöthig gewesen sein, dass die künf 
tigen Vorsteher der Armensprengel am besten aus lauter 
¡Sprösslingen der Familie Maltlius bestanden hätten. Jedenfalls 
dürfte zu allen Zeiten die Aufbringung eines Contingents von 
Gesinnungsgenossen grade in der Praxis grosso Schwierigkeit 
haben. 
Wir kennen jetzt das Wesen des sogenannten moralischen 
Zwanges, der in Wahrheit ein sittliches Missgebilde ist. Die 
Privatmoralisten mit ihrer beschränkten, immer nur an den 
Einzelnen denkenden Auffassung, haben selbstverständlich in 
soweit Recht, als es sich nur um den dürftigen Gemeinplatz 
handelt, dass Jedermann mit Ueberlegung verfahren und im 
Allgemeinen keinen Schritt thun solle, von dem er mit über 
wiegender Wahrscheinlichkeit absehen kann, dass er nicht blos 
ihn, sondern auch eine Familie dem Existenzmangel aussetzen 
Werde. Allein es besteht ein grosser Unterschied zwischen der 
absehbaren Wahrstheinlichkeit der Noth einerseits und der 
Gewissheit der jederzeit befriedigenden Ernährung andererseits. 
5. Malthus sprach den Menschen das Recht auf Existenz 
Und sogar ausdrücklich den später so berühmt gewordenen
	        
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